EU-Studie: Erneuerbare Energien gehen unberührt aus der Krise

Die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien in Europa geht trotz der Krise weiter: Zu dieser Einschätzung kommt ein Bericht des Joint Research Centre der EU-Kommission, der Mitte Juli in Brüssel veröffentlicht wurde.

Diese Einschätzung gilt nicht nur für die Neuinstallationen in diesem Bereich, bei denen im vergangenen Jahr ein weiterer Rekord aufgestellt worden ist. Die Autoren gehen auch davon aus, dass die Erneuerbaren in diesem Jahrzehnt weiter kräftig zulegen werden – trotz knapper Kassen in den EU-Mitgliedsländern und Einschnitten bei der Solarförderung in Deutschland und Spanien.

 

Zwar warnen deutsche Solarfirmen vor Umsatzeinbußen durch die drohenden Einschnitte bei der Einspeisevergütung für Solarstrom. Dies trifft jedoch hauptsächlich für die Hersteller von Solarmodulen zu, während die Firmen, die sie installieren, nach wie vor mit anständigen Gewinnen rechnen können.

Laut dem Bericht haben die europäischen Energieversorger 2009 neue Windparks mit 10,2 Gigawatt und Solarenergieanlagen mit 5,8 Gigawatt Gesamtleistung errichtet. Das sind 62 Prozent aller Neuinstallationen für die Stromerzeugung.

Mit den Plänen, die die EU-Länder im Juni in Brüssel vorgelegt haben, könnte der Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch von derzeit 8,5 auf 20 Prozent im Jahre 2020 wachsen – dies ist auch das Ziel der im vergangenen Jahr verabschiedeten EU-Richtlinie zu erneuerbaren Energien.

Kurios: Die geplanten deutschen Änderungen würden nach Meinung der Autoren in der Branche das Wachstum vorübergehend sogar noch anheizen und erwarten die Neuinstallation von weiteren acht Gigawatt noch in diesem Jahr. Damit könnte sich die Gesamtleistung der solaren Neuinstallationen in der EU gegenüber 2009 verdoppeln.

Deutschland wird generell auch über 2010 hinaus als starker Markt gesehen. Dies ist neuen Regeln zu verdanken, die die Einspeisevergütung an den Umfang der Photovoltaik-Installation koppeln. Dem Bundesumweltministerium schwebt hier ein Korridor von jährlichen Neuanlagen zwischen drei und 3,5 Gigawatt vor. Wenn die Gesamtleistung unter diesen Wert sinkt, könnte als Maßnahme die Einspeisevergütung einfach wieder angehoben werden.

Es wird davon ausgegangen, dass 2020 allein in der Bundesrepublik 40 bis 50 Gigawatt Solarkraft in Betrieb sein könnten, was ungefähr der Hälfte der heute installierten Leistung aller deutschen Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke entspricht.

Bereits jetzt habe der Erneuerbare-Energien-Sektor EU-weit zwischen 500.000 und 700.000 Jobs geschaffen. Davon entfielen nur 20 Prozent auf die Hersteller – eine Verlagerung der Produktion etwa nach China würde sich also nicht dramatisch auswirken.

Allein das europäische Netz stellt nach wie vor ein großes Manko dar, weil es nicht auf die Welle an erneuerbarem Strom vorbereitet ist, die von der EU propagiert wird. Denn gerade für die Schwankungen bei Wind- und Solarstrom wird es zukünftig wichtig sein, Überschüsse schnell in andere Netze umleiten zu können.

Daniel Seemann

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