Energiegeladene Gemeinschaft: die Bürgerwerke

Bürgerwerke für grünere Städte

Inzwischen gibt es mehr als 600 Energiegenossenschaften in Deutschland. Sie alle haben ein Ziel: den Bürger an der Energiewende beteiligen und gleichzeitig den Ausbau der Erneuerbaren Energien fördern. Doch das ehrenamtliche Engagement stößt hierbei oftmals an seine Grenzen, die Vermarktung des Stroms als zweites Standbein gelingt nur schwer. Hier setzen die Bürgerwerke an.

Die Energiegenossenschaften haben bisher vor allem auf regionaler Ebene einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energien beigetragen. Viele der Energiegenossenschaften möchten jedoch nicht nur Strom erzeugen, sondern ihren eigens produzierten Strom an ihre Mitglieder vermarkten, sich also von der Erzeuger-Gemeinschaft zur Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft entwickeln. Somit gewinnen sie einen zusätzlichen Nutzen für ihre Mitglieder, was wiederum auch die Attraktivität einer Mitgliedschaft fördert. Zudem erhöhen die Energiegenossenschaften ihre Unabhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen, was sich beispielsweise an den Unsicherheiten durch das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz nachvollziehen lässt.

Die für den Einstieg in die Stromvermarktung notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten können im Verbund der Bürgerwerke gebündelt werden. Nicht nur Kosten werden eingespart, sondern auch Risiken gemindert, was gerade für kleinere Energiegenossenschaften von Bedeutung ist. Ziel der Bürgerwerke ist schließlich, dass Bürgerenergie-Gesellschaften dezentral erzeugten Strom zukünftig in der jeweiligen Region vermarkten können.

Wie funktioniert das Ganze nun? Jede Bürgerenergie-Gesellschaft erhält einen eigenen Regionaltarif, mit dem sie vor Ort ihre Kunden versorgen kann. Dieser Tarif wird in Zusammenarbeit mit den Bürgerwerken individuell kalkuliert. Die Wertschöpfung verbleibt dabei bei den Bürgerenergie-Gesellschaften. Die Bürgerwerke streben keinen Gewinn an und arbeiten zu Selbstkosten. Die Aufgabe der Bürgerwerke liegt darin, die zentralen Aufgaben des Energievertriebs zu organisieren, wodurch auch Energiegenossenschaften mit geringer Mitgliederzahl erfolgreich sein können. Einstiegshürden durch fehlendes Know-how oder Personalmangel sollen durch die Unterstützungsleistungen verringert werden. Darüber hinaus fungieren die Bürgerwerke als eine Plattform, durch die Mitglieder untereinander ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam an Schulungen teilnehmen können.

In der Gründungsphase haben sich bereits 13 Bürgerenergiegesellschaften aus ganz Deutschland in dem Verbund der Bürgerwerke zusammengefunden – Tendenz steigend. Insgesamt stehen die bereits Engagierten für etwa 3.500 engagierte Energiebürger vor Ort und 60 Anlagen mit mehr als 9.500 Kilowatt Erzeugungsleistung. Dadurch können rein rechnerisch 3.250 Haushalte mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgt werden.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Mit Crowdfunding gemeinsam für die Energiewende
  • Unterstützung bei der Lobbyschlacht um die Energiewende
  • Die Bürger gehen voran

Welche Menschen stehen nun hinter den Bürgerwerken? Die Bürgerwerke verstehen sich zu 100 Prozent im Eigentum der Energiegenossenschaften. Das bedeutet, dass neben dem Vorstand und einem 3-köpfigen Team auch ein Aufsichtsrat sowie ein Beirat mitbestimmen können. Die Energiegenossenschaften als Gesellschafter bestimmen dadurch maßgeblich die Ausrichtung der Bürgerwerke. Die Bürgerwerke ermöglichen schließlich Energiegenossenschaften den Einstieg in neue Geschäftsfelder und schaffen mit ihrem Verbund neue Perspektiven für eine zukünftige Energieversorgung in Bürgerhand.

 

 

Add comment