entweder – oder

Der DHU-Bundesgeschäftsführer Rainer Braake ist sich sicher: In einer zukunftsweisenden Energiepolitik darf es nicht mehr nach dem „sowohl-als-auch“ Prinzip gehen, sondern es muss nach dem Motto „entweder-oder“ gehandelt werden.

Entweder erneuerbare Energie oder Kohle und Atom!

Das Primärziel der künftigen Energiekonzepte ist dabei ein dauerhafter Klimaschutz, eine stabile Versorgungssicherheit und Energie zu bezahlbaren Preisen. Erneuerbare Energien ausbauen lautet auch das Wahlprogramm sämtlicher Bundestagsparteien, dabei geben sich die Politiker allerdings nicht mit dem 20 Prozent Ziel bis zum Jahr 2012 zufrieden, sondern wollen den Stromanteil der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2010 auf 35 oder mehr Prozent sehen und fordern, auch über diesen Zeitraum hinaus, einen stetigen Ausbau der Erneuerbaren.

Reelle Prognosen

In der Realität, so sind sich Experten mittlerweile sicher, könnte der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in Deutschland bis zum Jahr 2020 bereits 47 Prozent ausmachen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sich die Energiepolitik für einen Richtungswechsel entscheidet und von veralteten Konzepten Abstand nimmt. Das wird jedoch zunehmend vom BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) erschwert, der diesbezüglich ein energiepolitisches Eckpunktpapier „Zukunftsenergie 2020“ vorgestellt hat. Ihre Hoffnungen liegen in einem Miteinander von erneuerbarer und fossiler Energie, nicht zuletzt durch die hohen Erwartungen, die in die CSS-Technologie (Carbon Capture und Storage) gesteckt werden. Eine Technologie, um Kohlekraftwerke mit einer reduzierten CO2-Emission zu erreichen, indem das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid aufgefangen und in unterirdische Endlager verbracht wird. Das aber steht im krassen Konsens zu einer stabilen Versorgungssicherheit und einem dauerhaften Klimaschutz. Denn dauerhaft bringen nur die erneuerbaren Energien, deren Vorkommen nach menschlichem Ermessen unerschöpflich sind, eine entsprechende Versorgungssicherheit.

Scharfe Kritik

Das Papier erntet damit gleich mehrfach Kritik von DUH (Deutsche Umwelthilfe), BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie), vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband) und dem Ökoenergiehändler LichtBlicke. Der BDEW würde das enorme Potenzial der erneuerbaren Energien unterschätzen und als größter Investor der deutschen Industrie richtungsweisend für die deutsche Energiepolitik sein, einer Energiewende mit neuen Energieinfrastrukturen also im Wege stehen. Ihre „Zukunftsenergie 2020“ wurde gar als strukturkonservativ, fantasielos und weder Klima- noch Wirtschaftskrise angemessene Prognose bezeichnet. Es müsse ein umfassender Systemwechsel in der Energiewirtschaft erfolgen, der effizient, dezentral und flexibel auf den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien eingeht und nicht die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und den Neubau von Kohlekraftwerken fördert. Das Ziel sollte ein vollwertiger Ersatz der fossilen Energiegewinnung durch regenerative Quellen sein, anstatt ein Nebeneinander von Atomenergie und erneuerbarer Energie.

Judith Schomaker

Add comment