Energiewende: Hoffnungsträger Ostdeutschland?

Windkraftanlage

Im bundesweiten Vergleich schneiden die ostdeutschen Bundesländer bei Ausbau und Förderung erneuerbarer Energien deutlich besser ab, Brandenburg ist sogar eindeutiger Spitzenreiter. Überhaupt scheinen die Bundesländer des ehemaligen Ostdeutschlands besonders gute Voraussetzungen zu haben, um eine Vorreiterrolle in der Energiewende zu übernehmen. Das ist zumindest die wichtigste These aus einem Sammelband namens „Neue Energie im Osten –  Gestaltung des Umbruchs. Perspektiven für eine zukunftsfähige sozial-ökologische Energiewende“, der Ende 2011 vom Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung und dem Bereich Klima und Energie des Zentrums Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin veröffentlicht wurde.

Diese Erkenntnis könnte möglicherweise den Ausbau erneuerbaren Energien vereinfachen, denn obwohl die Energiewende zwar als Thema dauerhaft präsent ist, fehlt noch immer ein genauer Fahrplan. Laut Dr. Benjamin Nölting, Mitherausgeber des Buches, braucht es aber „eine starke politische Initiative auf kommunaler und Länderebene“, damit Ostdeutschland „bei der erneuerbaren Energieproduktion, bei der Technologie, beim Aufbau von Wertschöpfungsketten, aber gerade auch bei Beteiligungsmodellen“ tatsächlich zum Vorreiter werden kann.

Da die neuen Bundesländer über die geeigneten Flächen und ausreichende Fördermöglichkeiten verfügen, hat die dort ansässige Industrie prinzipiell hervorragende Chancen ein System aus konkurrenzfähigen Windenergie-, Biogas- oder Photovoltaikanlagen aufzubauen. So könnten Entwicklungsblockaden aus dem Modell „Nachbau West“ überwunden und deutliche Startvorteile genutzt werden.

Die Veröffentlichung des Innovationsverbunds Ostdeutschlandforschung macht allerdings auch deutlich, dass ein schlichter Austausch der Technologien zu wenig sein wird, um den Bedingungen einer wirklich nachhaltigen Energiewende zu entsprechen. Dafür ist vielmehr ein tiefgreifender ökonomischer, politischer und sozialer Reorganisationsprozess nötig, der unbedingt auch die Bevölkerung einbinden muss, sei es bei der Entwicklung politischer Strategien, der Gestaltung von „Energielandschaften“ oder der Finanzierung und den daraus resultierenden Erlösen.

Ein unlängst von uns vorgestelltes System für die derartige Einbindung der Bevölkerung sind Bürgernetze. Dabei sollen die Anwohner selbst in den Ausbau der Stromnetze investieren und so in weiterer Folge auch finanziell davon profitieren.

Matthias Schaffer

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