Energiewende gestalten – auch mit Solarenergie direkt vom Balkon

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Balkonkraftwerke, Mini-Solaranlagen oder Guerilla-PV genannt, sind ein Einstieg in erneuerbare Stromerzeugung und vor allem für Mieter ohne eigene Dachfläche sehr attraktiv. Denn mit einer Mini-Solaranlage kann jeder, der über einen Balkon oder eine Terrasse verfügt, seinen ganz persönlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Die Mini-Solaranlagen dürfen von Laien ohne Genehmigungsverfahren angeschlossen werden und rentieren sich bereits innerhalb weniger Jahre. Außerdem verfügen Photovoltaikanlagen über eine lange Lebensdauer, sodass sich ein Investment in aller Regel lohnt. Steven Skawinski, Fachjournalist für Energie und Nachhaltigkeit bei Energiemarie.de, gibt in diesem Gastbeitrag Tipps für den Anschluss einer Balkonanlage und erklärt, worauf man bei der Investition achten sollte.

Aufbau und Abgrenzung zur klassischen Solaranlage

Balkonkraftwerke haben meistens eine Leistung von 300 Watt bis 600 Watt. Es gibt durchaus Exoten mit einer Leistung von bis zu 1200 Watt, diese sind allerdings eher die Ausnahme. Je nach Leistung besitzen die Geräte 1 bis 4 Solarmodule zur Stromerzeugung. Während klassische Solaranlagen große Solarmodule und demnach auch große Wechselrichter besitzen, haben Mini PV-Anlagen kleine Module mit Mikro-Wechselrichter.

Am beliebtesten sind steckerfertige Solaranlagen, welche ohne Fachkraft selbstständig aufgebaut und angesteckt werden können. Diese Anlagen dürfen maximal 600 Watt leisten und besitzen einen sog. Schukostecker. Der Schukostecker ist ein handelsüblicher Stecker, mit dem Haushaltsgeräte an das Stromnetz angeschlossen werden.

Montage einer Mini-Solaranlage

Bevor Sie Ihr Balkonkraftwerk anbringen, sollten Sie sich mit der Verschattung vor Ort vertraut machen. Es sollte ein Platz gewählt werden, der im gesamten Tagesverlauf möglichst unverschattet ist. Im Anschluss können potenzielle Standorte nach geografischer Ausrichtung überprüft werden.

Eine südliche Ausrichtung mit einer Neigung von ca. 30 Grad ist für die Stromerzeugung in Deutschland optimal, da im Tagesverlauf die meisten Sonnenstrahlen aufgenommen werden können.[1] Eine vertikale Ausrichtung an der Hauswand oder am Balkongeländer sollten Sie unbedingt vermeiden. Zur Befestigung der Anlage ist für diesen Zweck oftmals ein Dreiecksgestell im Lieferumfang enthalten. Damit können Sie, je nach geografischer Ausrichtung, den passenden Winkel für Ihre Solaranlage wählen.

Je stärker die Ausrichtung der Anlage von Süden abweicht, desto niedriger sollte der Neigungswinkel der Module ausfallen. Ost- bzw. West-Anlagen können so vor allem bei einer Neigung zwischen 0 und 20 Grad hohe Erträge erzielen.

Balkonkraftwerk als Investment

Die Preise für Balkonkraftwerk-Sets zur Selbstmontage starten bei etwa 300 Euro. Je nach Marke und Leistung des Gerätes kann das Preisschild auch schnell vierstellig ausfallen. Getreu dem Motto: Viel hilft viel, erzeugen stärkere Anlagen mehr Strom und sparen somit mehr Kosten ein. Das rechtfertigt den höheren Preis. Es sollte Sie jedoch nicht dazu verleiten, die stärkste Anlage zu kaufen. Stetig steigende Strompreise und eine gleichzeitig fallende Vergütung für Solarstrom machen eine Netzeinspeisung sehr unattraktiv. Daher sollten Sie eine Anlage wählen, die zu Ihrem Stromverbrauch passt.

Wenn Sie nicht täglich im Homeoffice arbeiten, erfolgt die Stromerzeugung antizyklisch zum Spitzenverbrauch. Das ist jedoch kein Argument gegen eine Mini-Solaranlage. Denn der Kühlschrank, W-LAN Router oder Geräte im Standby Modus verbrauchen stetig Strom, auch wenn Sie nicht daheim sind. Der konstante Strombedarf in einem Haushalt, auch Grundlast genannt, macht nach Angaben des Mess­stel­len­be­trei­bers Discovergy etwa 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus.

Die Leistung einer Photovoltaikanlage wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Als ungefähre Näherung nimmt man eine jährliche Stromproduktion von 800 Kilowattstunden pro Kilowatt Spitzenleistung an. Eine 600 Watt starke Solaranlage erzeugt demnach bei optimalen Bedingungen knapp 500 kWh.

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von derzeit 36 Cent pro Kilowattstunde bringt das eine jährliche Ersparnis von 180 Euro. Vorausgesetzt der Strom wird sofort verbraucht und nicht ins Netz eingespeist. Die Einspeisevergütung beträgt für den Juli 2022 lediglich 6,23 Cent pro kWh[2]. Somit amortisiert sich das Investment schneller bei Nulleinspeisung. Eine gute Ergänzung zur Mini-Solaranlage kann ein Solarspeicher sein, da somit Leistungsspitzen auch bei niedrigem Verbrauch voll ausgenutzt werden können.

Weitere Hinweise

Immer mehr Kommunen zahlen Zuschüsse im Rahmen regionaler Förderprogrammen. Zum Beispiel fördert die Stadt Erlangen steckerfertige PV-Anlagen mit bis zu 300 Euro. Sie sollten sich frühzeitig informieren, denn oftmals müssen Anträge vor dem Kauf gestellt werden.

Vor der Installation bedarf es der Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft für das Anbringen der Module an Balkonbrüstung oder Hauswand.

Nach der Montage muss eine Anmeldung beim ortsansässigen Netzbetreiber sowie bei der Bundesnetzagentur vorgenommen werden. Ohne Anmeldung im Marktstammdatenregister kann ein Bußgeld drohen.

Gegebenenfalls muss Ihr Stromzähler ausgetauscht werden. Denn herkömmliche Stromzähler mit mechanischen Drehscheiben können bei Stromeinspeisung rückwärts laufen und manipulieren somit die technische Aufzeichnung des Stromverbrauchs. Der Austausch ist für Sie vollkommen kostenlos. Im Zuge der Energiewende sollen in Deutschland ohnehin künftig alle Haushalte bis 2032 mit solchen modernen Stromzählern ausgestattet werden.[3]

[1] Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland
[2] Angaben der bundesnetzagentur zur Einspeisevergütung
[3] Smart Meter Rollout Deutschland

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