Spart Deutschland durch die Energiewende Geld?

Die Stromkosten steigen auch dank der EEG- Umlage

Viele Gegner der Energiewende behaupten, sie koste Deutschland vor allem viel Geld. Gerade die Verbraucher müssten für Ausbau und Förderung der erneuerbaren Energien tief in die Tasche greifen, da durch die steigende EEG- Umlage auch die Stromrechnungen immer höher würden. Doch ein deutscher Forscher behauptet nun, die Energiewende sei eigentlich gar kein Mehrkostenfaktor, sondern spare den Deutschen sogar Geld. Das will er mit einer Analyse der Strompreise an der Börse in Leipzig der vergangenen Jahre herausgefunden haben. Doch was ist dran an der Behauptung, die Energiewende sei für die Deutschen aus finanzieller Sicht sogar ein Segen?

Klar ist: Strom ist teuer in Deutschland. Auch für die Industrie, aber in erster Linie für die Privathaushalte. Anfang letztes Jahr zahlten nur die Bewohner Dänemarks noch mehr für ihren Strom. 30 Cent kostete sie eine Kilowattstunde Strom im Schnitt. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt. Der liegt innerhalb der EU bei rund 20 Cent pro Kilowattstunde. Die deutschen Haushalten musste 2014 rund 28 Cent je Kilowattstunde für ihren Strom ausgeben. Damit liegt Deutschland beim Strompreis für Privatkunden innerhalb der EU auf dem zweiten Platz. Vergleicht man das mit Finnland, wird deutlich, wie hoch die Strompreise für Privathaushalte in Deutschland wirklich sind. Die Finnen zahlten 2014 nur rund 13 Cent pro Kwh.

Doch warum ist die Energie in Deutschland so teuer, dass manche sie schon zu den Luxusgütern zählen? Viele sind der Meinung, vor allem die Energiewende sei schuld an den hohen Stromkosten. Denn der Umstieg von Atom- und fossiler Energie auf die Erneuerbaren kostet viel Geld. Experten gehen davon aus, dass der Umstieg mehrere hundert Milliarden Euro verschlingen wird. Und diese Kosten tragen vor allem die Verbraucher. Denn die müssen im Rahmen der Erneuerbare- Energien- Umlage (EEG- Umlage) den Ausbau der regenerativen Energieerzeugung mittragen.

Dass die Energiewende den Deutschen sogar Geld gespart hat, hätte wohl bislang niemand gedacht. Doch genau das behauptet jetzt ein deutscher Forscher. Der Professor und Energieexperte Jürgen Karl von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat laut „WIWO Green“ die Strompreise der vergangenen Jahre an der Börse in Leipzig genauer unter die Lupe genommen und analysiert, wie sich die Stromkosten ohne den Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland entwickelt hätten.

Das Ergebnis ist überraschend. Karl behauptet, der verstärkte Ausbau der regenerativen Energien seit dem Beginn des Atomausstieg 2011 habe den Deutschen sogar Kosten erspart. Denn er sagt, ohne die Erneuerbaren wären die Energiepreise an der Strombörse in den letzten Jahren noch höher gestiegen, als es momentan der Fall ist und die Deutschen müssten heute noch mehr für den Strom zahlen. Doch wie kommt er darauf?

Er erklärt es folgendermaßen: 2011 hätte es noch nicht so viele erneuerbare Energiequellen gegeben wie heute. Der Markt sei, als die ersten Atommeiler vom Netz gingen, nicht mehr ausgeglichen gewesen, da die Nachfrage das Angebot überschritten habe. Deshalb sei der Strompreis erstmal deutlich gestiegen. Das heißt, auch ohne den Ausbau der Erneuerbaren wäre der Strom ab 2011 deutlich teurer geworden.

Durch den verstärkten Ausbau der Erneuerbaren ab 2011 habe sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage langsam wieder ausgeglichen. Karl kam zu dem Ergebnis, dass der steigende Anteil des Ökostroms zwischen 2011 und 2013 den Börsenpreis so stark gedrückt hat, dass dadurch Strompreissteigerungen in Höhe von fast 29 Milliarden Euro vermieden wurden. Doch warum sind die Stromrechnungen der privaten Haushalte dann trotzdem gestiegen? Hätte sich das nicht positiv auf unsere Geldbeutel auswirken müssen?

Leider nein, denn profitiert hat davon nur die Industrie. Denn durch die Einführung der EEG- Umlage glich sich diese Ersparnis für die Normalverbraucher wieder aus. Nur Unternehmen, die von der EEG- Umlage befreit sind, sparen durch die fallenden Strompreise auch wirklich Geld. Das heißt im Klartext: Für die privaten Verbraucher wäre der Strompreis auch ohne den Ausbau der Erneuerbaren Energien in etwa gleich geblieben. Die Aussage: „Die Energiewende hat den Deutschen sogar Geld gespart“, stimmt also nur teilweise. Denn nicht alle Menschen konnten von dieser Ersparnis profitieren.

Was schließen wir daraus? Zwar hat Jürgen Karl nur teilweise recht mit seiner Behauptung, doch auch ohne den Ausbau der Erneuerbaren wären die Strompreise nach dem Atomausstieg stark gestiegen, da es damals noch zu wenig Alternativmöglichkeiten gegeben hat. Natürlich hätte die Bundesregierung Strom importieren oder die fehlende Energie durch den Zubau von fossilen Kraftwerken gewährleisten können.

Dennoch entschied sie sich für eine nachhaltige Zukunft mit regenerativer Energieerzeugung. Nicht alle sind der Meinung,, dass das die richtige Entscheidung war. Denn viele Deutsche betrachten die Energiewende bislang in erster Linie als finanzielle Belastung. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Investition langfristig bezahlt machen wird.

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