Wasserkraft in Chile, der Türkei und China

Wasserkraftwerk; Foto: shutterstock

Die Bewohner verschiedener Städte in Chile gingen vergangenen Monat auf die Straße, um gegen ein Staudammprojekt der Regierung zu protestieren. Im südlichen Patagonien wurde der Bau von fünf Wasserkraftwerken bewilligt. Betroffen sind die Flüsse Baker und Pascua, zwei bisher unberührte Ströme. An die 6.000 Hektar wird das HidroAysén Projekt durch die Flutung beanspruchen. Die Fläche gehört zu einer sehr dünn besiedelten Region Chiles. Für die Infrastruktur und Übertragungsleitungen werden auch die Wälder weichen müssen. Aufgrund sozialer und ökologischer Bedenken spricht sich über die Hälfte der chilenischen Bevölkerung gegen das Projekt aus.

Die günstigen Bedingungen für Windkraft, Geothermie und Sonnenenergie bleiben bisher weitgehend unbeachtet. Stattdessen werden weiter Kohlekraftwerke gebaut. Auch wird bereits zu einem großen Teil Energie aus Wasserkraft bereitgestellt. Deren Ausbau mit dem neuen 2.750 Megawatt Projekt erfolgt, um die Erdgasabhängigkeit von Argentinien zu verringern.

Staudammprojekt in der Türkei stellt Bedrohung für Farmer dar

Auch die Türkei möchte sich von Russland und dem Iran loslösen und die Gasimporte minimieren. Helfen soll dabei der Bau zahlreicher Wasserkraftwerke und Dämme. Zu den Anlagen, die momentan wieder für Diskussion sorgen, zählt der Ilisu Staudamm. An ihm wird seit vergangenem Jahr gebaut. Er wird den Flusspegel um 60 Meter erhöhen und damit die historische Stadtfestung Hasankeyf fluten. Auch die Existenz von Millionen von Farmern ist bedroht. Wegen der bedenklichen Folgen, vor allem Umweltschäden, zogen sich deutsche, österreichische und schweizer Firmen vor zwei Jahren finanziell aus dem Projekt zurück. Dennoch konnten andere Investoren gefunden und die Bewohner von Ilisu um 60 Meilen umgesiedelt werden. Die Realisierung des 1.200 Megawatt Kraftwerks ist für das Jahr 2014 vorgesehen. Allerdings forderte ein türkisches Gericht im März dieses Jahres eine Untersuchung an. In der wasserknappen Türkei wird es dem Wasserwerk erlaubt sein, 90 Prozent des Wassers zu entnehmen. Nachdem dieses durch die Turbinen gelaufen ist, wird es zurück in den Fluss geleitet. Den Bauern zufolge ist es dann verschmutzt und mineralarm.

Zerstörerische Folgen des Drei-Schluchten-Staudamms in China

Ähnliche Folgeerscheinungen erblickt man am Jangteskiang, dem längsten Fluss Chinas. An dessen Verlauf in der Provinz Hubei befindet sich das größte Wasserkraftwerk der Welt. Der im Jahre 2006 fertiggestellte Drei-Schluchten-Staudamm hat sich zu einem ökologischen und sozialem Desaster entwickelt. Selbst die chinesische Regierung räumt inzwischen geologisch, sozial und ökologisch negative Auswirkungen ein. Damit ist auch die Wasserversorgung gemeint, welche flussabwärts nicht mehr flächendeckend gewährleistet ist. Nach eigenen Angaben wurden diese Probleme nicht vorhergesehen. Der Staudamm mit einer Leistung von 18.200 Megawatt treibt 26 Turbinen an. Er ist für die Umsiedlung von 1,4 Millionen Menschen und der Flutung von über 1.000 Städten und Dörfern verantwortlich. Das Gewicht des Wassers belastet die Hänge und führt zu Erdrutschen.

Zur Sicherheit sollen nun weitere Menschen umgesiedelt werden. Finanzielle Hilfen für den Umweltschutz und die Betroffenen sind versprochen. Als weitere „Nachsorge“ sieht die Regierung ein Katastrophenwarnsystem vor. Zudem sollen die Flussufer gestützt und verstärkt werden. Ein weiteres Problem des Dammes selbst ist die Algenzunahme sowie die Verschlammung des Reservoirs. Deshalb wurde nun das Budget für die Wasserbehandlung erhöht. Momentan gibt es Spekulationen über den Fünf-Jahresplan und einer Abkehr von der Wasserkraft.

Schon vor Beginn des Baus haben Experten vor ökologischen Folgen gewarnt, wurden jedoch nicht beachtet. So, wie es auch gerade bei dem Ilisu Kraftwerk und HidroAysén Staudämmen geschieht.

Jenny Lohse

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