Energie in Bürgerhand

Der aktuelle Verkauf der Thüga AG durch Eon hat eine besondere Initiative ins Leben gerufen. In Freiburg hat sich eine Genossenschaft gegründet, die einen Anteil der Thüga AG kaufen und somit den sich beteiligenden Bürgern ermöglichen möchte, sich an Fragen der zukünftigen Energieversorgung aktiv zu beteiligen und eine preiswerte und nachhaltige Stromversorgung zu erreichen.

Die Aktiengesellschaft Thüga AG besteht aus Beteiligungen an mehr als 90 kommunalen Wasser- und Energieversorgungsunternehmen. Viele dieser Versorgungsunternehmen werden durch die Thüga AG als Allein- oder Mehrheitsgesellschafter betrieben. Dabei werden jährliche Umsätze von etwa 1,1 Milliarden Euro erreicht. Da Eon mit einer Zwangsentflechtung dieses Tochterunternehmens durch das Kartellamt rechnen muss, ist der Verkauf der Thüga AG mehrheitlich an eine Gruppe von kommunalen Energieversorgern und Stadtwerken (Integra/KOM9) geplant.

Einen kleinen Anteil dieses Unternehmens möchte jedoch auch die Energie in Bürgerhand Genossenschaft i. G. kaufen. Diese Genossenschaft hat sich in diesem Jahr in Freiburg gegründet und hat das Ziel einen Unternehmensanteil von etwa drei bis zehn Prozent der Thüga AG zu erwerben. Zentrale Ziele der Genossenschaft sind der Ausstieg aus der Atomenergie, der Ausbau regenerativer Energien und der dezentraler Energieversorgung. Zudem sollen Energieeinsparung und Energieeffizienz gefördert werden. Eine stärkere Beteiligung der Bürger an Fragen der zukünftigen Energieversorgung sowie faire Preise sind weitere Leitideen der Genossenschaft. An dieser Genossenschaft kann sich jeder mit einem Mindestbetrag von 500 Euro beteiligen. Unabhängig von der Höhe der Beteiligung an der Genossenschaft erhält jeder Genosse eine Stimme in der mindestens einmal jährlich stattfindenden Generalversammlung.

Bisher haben sich mehr als 2.700 Personen und Gesellschaften an der Genossenschaft durch einen Gesamtbetrag von mehr 16,5 Millionen Euro beteiligt. Diese Zahlen zeigen, dass die Idee der bürgernahen Energieversorgung starke und positive Resonanz findet. Durch eine deutschlandweite Kampagne mit Informationsveranstaltungen und Präsenz in Internet-Netzwerken soll die Anzahl der Beteiligten dieser Genossenschaft in den nächsten Monaten weiter steigen.

Ob das Ziel der Energie in Bürgerhand Genossenschaft i. G. jedoch erreicht werden kann, hängt davon ab, ob es ihr möglich ist einen Anteil der Thüga AG zu erwerben. Sollte dies bis Ende 2010 nicht gelingen, werden den Genossen die jeweiligen Anteile an der Genossenschaft zurückgezahlt. Sollte dieses Projekt jedoch Erfolg haben, wäre dies ein einzigartiges Beispiel, das beweist, dass die Fragen der Energieversorgung jeden betreffen und von der Gesellschaft aktiv gestaltet werden können.

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