Diskussion um Schutzzölle auf chinesische Solarmodule spaltet europäische Solarindustrie

dafür und dagegen

Die EU prüft die Einführung von Ausgleichszöllen auf chinesische Solarmodule. Europäische Hersteller und Installateure reagieren auf den Antrag gespalten.

Die aktuelle Diskussion um den Schutz der europäischen Photovoltaikmärkte durch die Einführung von Ausgleichszöllen auf chinesische Solarmodule und -zellen spalten die europäische Solarindustrie. Anfang September hatte auch die Europäische Kommission die Einleitung eines Verfahrens angekündigt, das die Rechtmäßigkeit staatlicher Subventionen in China prüfen soll. Möglich ist die Einführung sogenannter „Anti-Dumping-Zölle“ auf aus China importierte Solarzellen und die daraus hergestellten Module.

Unlautere staatliche Subventionen?

Damit reagiert die Kommission auf einen schon im Juli eingereichten Antrag des Industriezusammenschlusses „EU ProSun“, einer Initiative von mehr als 20 europäischen Solarherstellern. Die Kommission prüft demnach, ob die chinesischen Hersteller tatsächlich unlautere staatliche Subventionen erhalten haben. Innerhalb weniger Monate könnte die EU dann entsprechende Abwehrmaßnahmen, etwa in Form von Ausgleichzöllen nach US-amerikanischem Vorbild beschließen.

Doch nicht nur die Hersteller sind tief gespalten, auch die Installateure sind sich uneins in diesem Handelsstreit. Das ergibt eine aktuelle Befragung der Bonner Markt- und Meinungsforscher von EuPD Research unter Installateuren aus den vier wichtigsten europäischen Solarmärkten Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich. Von den insgesamt 875 befragten Installateuren waren mehr als 80 Prozent über den Herstellerantrag und über das eingeleitete Prüfverfahren informiert. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Ausgleichszölle auf chinesische PV-Module befürworten. Eine fast ebenso große Zahl (42 Prozent) sprach sich gegen diese Eingriffe aus.

Teurere Anlagen insgesamt

Markus Lohr, EuPD Research Chefanalyst, erläutert dazu: „Während Befürworter der Schutzzölle eher moralisch und normativ argumentieren, überwiegen bei den Gegnern häufig wirtschaftliche Argumente.“ Typische Argumente der Befürworter seien demnach „soziale Arbeitsbedingungen“ und „die Einhaltung von Mindestlöhnen“. Das Hauptargument gegen einen Zollaufschlag sei eine Erhöhung des Anlagenpreises insgesamt und die dadurch sinkende Rentabilität für den Kunden. Dadurch würden sich weniger Anlagen verkaufen, so die Bedenken der Befragten.

Daniel Seemann

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