Die Kardaschow-Skala – nur eine Fiktion?

Seit Anbeginn der Menschheit hat sich Homo sapiens auf den Weg zu einer modernen Zivilisation gemacht. Die Stufe 1.0 auf der Kardaschow-Skala ist fast erreicht, doch nicht die technologische Entwicklung hindert uns am Fortkommen, sondern in erster Linie politische Kräfte.

Wir schreiben das Jahr 1964. Der sowjetische Astrophysiker Nikolai Kardaschow schlägt den Einsatz von Radioteleskopen vor, um „außerirdische“ Zivilisationen ausfindig zu machen. Lebensformen, die er in drei verschiedene Entwicklungsstufen auf der Basis ihrer Energieproduktion unterteilt, um ihren technologischen Fortschritt einzuordnen. Laut Kardaschow soll die Typ 1-Zivilisation in der Lage sein, die gesamte verfügbare Leistung auf ihrem Planeten zu nutzen.

Typ 2 kann die Leistung ihres ganzen Planetensystems und Typ 3 die der ganzen Galaxie nutzen. Der Einteilung liegt die Logarithmik zugrunde, die bei steigendem Energieverbrauch auch immer eine Zunahme der Energieerzeugung erfordert. Schon hier wird klar, dass wir mit fossilen Brennstoffen kaum die Stufe 1 erreichen können.

 

Der Astronom Carl Sagan schätzte die Erde 1973 anhand ihrer damaligen Energieeffizienz auf die Stufe 0.7 – obwohl diese Unterteilungen im Original der Kardaschow-Skala nicht vorhanden war. Um überhaupt den Typ 1 bei der Einordnung der technologischen Entwicklungsstufen zu erreichen, müssen wir sowohl ökologische als auch ökonomische Umdenken. Ein Blick in die Vergangenheit bringt Klarheit: Zivilisationen vom Typ 0.1 leben in einer Artenvielfalt in wechselnden Gruppen zusammen, häufig vorkommende Konflikte werden durch die Gewalt der Dominanzhierarchie gelöst, die Technik beschränkt sich auf primitive Werkzeuge aus Stein. Bis zum Typ 0.3 haben sich Stämme gebildet, die hauptsächlich aus einem Verwandtschaftsverhältnis bestehen, also keine Hominiden Gruppen. Primitive politische Verbände und eine wirtschaftliche Ausrichtung der Arbeitskraft folgen, bis sich in Stufe 0.5 Staaten gebildet haben, die für die Bevölkerung eines fest umrissenen Gebietes zuständig sind und Handelswirtschaft mit anderen Staaten betreiben. Bis zum Zivilisationstyp 1 bedarf es hingegen einer globalen Ökonomie, freier Handel und freies Wissen für alle, ohne, dass sich die Staaten einmischen, geprägt von weltweiter Demokratie.

Nach neuesten Berechnungen haben wir uns allein im vergangenen Jahrhundert vom Typ 0.58 bis zum Typ 0.77 gemausert. Doch um tatsächlich eine 1.0 Zivilisation zu werden, bedarf es mehr, als nur freies und faires Handeltreiben zu ermöglichen. Um auch in Zukunft Energieverbrauch und Energieerzeugung miteinander in Einklang zu bringen, muss ein Wechsel von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energie vollzogen werden. Eine Symbiose von Ökonomie und Energie, bei der erneuerbare Energien für jedermann zugänglich sind.

Judith Schomaker

1 Kommentar

  • Super – einfach erklärt und genau richtig. Ausdrucken und ans Kanzlerinnenamt und Wirtschaftsministerium faxen.

    …leider, leider sitzen dort anscheinend keine passenden Empfänger…

    mit nachhaltigen Grüßen,

    Heinrich Ernst