Deutsche Firmen bauen weltgrößten Offshore-Windpark

Vor der Küste von Nordwales soll der größte Offshore-Windpark aller Zeiten entstehen. Allein die nackten Zahlen sind schon beeindruckend: „Gwynt y Môr“ (walisisch: Wind im Meer), so der Name für das Projekt, soll eine Kapazität von rund 576 Megawatt besitzen. 160 Windräder sollen sich auf einer Fläche von 79 Quadratkilometern im Meer drehen, in nur vier Jahren soll der Windpark fertig gestellt sein.

Die Kosten belaufen sich nach Angaben der deutschen Firmen, die für den Bau verantwortlich sind (RWE Innogy, die Ökostrom-Sparte von RWE, die Stadtwerke München und Siemens, Weltmarktführer bei Offshore-Windturbinen) auf rund zwei Milliarden Euro.

Eine spannende Interessengemeinschaft, die sich da zusammengetan hat. RWE Innogy setzt gezielt auf Ökostrom-Projekte, egal ob Windparks oder Biogasanlagen, Hauptsache groß und leistungsstark. Siemens baut zwar noch keine fünf-Megawatt-Turbinen, wie sie seit kurzem in der Nordsee im Windpark Alpha Ventus zu finden sind. Aber die 3,6-Megawatt-Anlage, die Siemens serienmäßig produziert, hat sich auf dem Weltmarkt mittlerweile etabliert. Das Unternehmen konzentriert sich inzwischen fokussiert auf den britischen Markt. Vor Kurzem ließ Siemens sogar verlauten, in Großbritannien eine eigene Fertigungsanlage eröffnen zu wollen.

Letzter im Bunde sind die Stadtwerke München, die 30 Prozent der Anteile an dem Offshore-Gemeinschaftsunternehmen halten. Doch schon etwas verwunderlich, dieses eher lokal orientierte Unternehmen mit einem der großen vier Energieerzeuger in Deutschland, RWE, in einem Boot zu finden. Doch das UK-Projekt kommt für die Stadtwerke wie gerufen: Sie versprechen sich davon einen wichtigen Schub, um ihre Ökostrom-Ziele zu realisieren. Und die sind nicht von ungefähr.

Bis 2015 wollen die Stadtwerke München soviel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, dass damit alle rund 800.000 Münchner Privathaushalte versorgt werden können. Bis 2025 soll dann sogar der gesamte Münchner Strombedarf abgedeckt werden. Ziel ist es, München zur weltweit ersten Millionenstadt zu machen, die dieses ehrgeizige Ziel geschafft hat.

Mit der Beteiligung an „Gwynt y Môr“ kommen die Stadtwerke diesem Ziel jedenfalls einen großen Schritt näher. Jetzt gilt es nur noch, die 25-Prozent-Beteiligung am Eon-Atomkraftwerk „Isar“ loszuwerden. Immerhin: Anfang des Jahres hatten sich die Stadtwerke München bereits gegen eine Laufzeitverlängerung ausgesprochen.

Daniel Seemann

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