Deutsche Energiewende gerät ins Stocken

Anteil Erneuerbarer Energien reicht nicht für EU-Ziel 2020 aus.
Energiewende - Deutschland verfehlt EU-Ziel zu Erneuerbaren Energien.

Deutschland wird das EU-Ziel für den Anteil Erneuerbarer Energien am Energieverbrauch deutlich verfehlen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Prognose des Bundesverbandes Erneuerbare Energien. Dem EU-Ziel entsprechend müsste die Bundesrepublik bis 2020 den Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch auf 18 Prozent steigern. Im Jahr 2016 lag der Anteil bei 14,6 Prozent. Die Prognose geht davon aus, dass der Anteil bis 2020 lediglich auf 16 Prozent steigen wird. 

Begründet ist die Verfehlung nicht nur im zu geringen Ökostrom-Anteil im deutschen Stromverbrauch. Auch in den Sektoren Wärme und Verkehr stieg der Verbrauch stärker an, als noch im April vermutet. Noch vor einem halben Jahr hatte der Bundesverband Erneuerbare Energien noch einen 16,7 prozentigen Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für 2020 prognostiziert. Die aktualisierte Prognose geht unter anderem davon aus, dass sich der Trend zu steigendem Kraftstoffverbrauch fortsetzt. Bis 2020 wird er rund halb so hoch sein wie im ersten Halbjahr 2017. Diese Rechnung ist allerdings eher konservativ. Das verpflichtende EU-Ziel werde in „noch weitere Ferne rücken, wenn sich der Verbrauchsanstieg im Wärme-, Verkehrs- und Stromsektor ungemindert fortsetzt“, heißt es in der Prognose.

Fünf Länder drohen EU-Ziel zu verfehlen

„Die nächste Bundesregierung muss den Ausbau Erneuerbarer Energien deutlich beschleunigen und nachhaltig den Verbrauch senken, damit Deutschland seine Verpflichtung gegenüber der Europäischen Union einhalten kann,“ fordert Dr. Peter Röttgen, BEE-Geschäftsführer.

Bisher sieht es danach aus, dass die große Mehrheit das verpflichtende EU-Ziel bis 2020 erfüllt. Die fünf Mitgliedsstaaten mit voraussichtlicher Zielverfehlung sind – neben Deutschland – Irland, Luxemburg, Großbritannien und die Niederlande. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgaben für die Länder. Im EU-Schnitt sind sogar 20 Prozent das Ziel.

Die stagnierende Energiewende hemmt das Innovationspotenzial und die Wirtschaftskraft im Erneuerbare-Energien-Sektor. Im Gegenzug würde mehr Tempo beim Ausbau Erneuerbarer Energien die Wertschöpfung steigern und Arbeitsplätze schaffen.

„Seit Jahren verzeichnet Deutschland keine Fortschritte beim Ausbau Erneuerbarer Energien im Wärme- und Verkehrssektor. Selbst im Strombereich ist auf Grund der zu geringen Ausschreibungsmengen nicht mit einer Kompensation zu rechnen“, kritisiert Röttgen.

Schon die zweite Zielverfehlung innerhalb weniger Wochen

Es ist bereits die zweite Verfehlung von Klimazielen der Bundesrepublik. Anfang September ergaben Berechnungen von Agora Energiewende, dass Deutschland das gesteckte Klimaschutzziel 2020 deutlich verpasst. CleanEnergy Project berichtete dazu.

„Das Verfehlen von Umwelt- und Klimazielen scheint zum Markenzeichen der jetzigen Bundesregierung zu werden“, sagte Klimaexpertin Tina Löffelsend vom BUND.

Quelle: Bundesverband Erneuerbare Energie