Der Junge, der den Wind einfing

Normalerweise fühlt man sich als Einzelner bei so gewaltigen Problemen wie Energieversorgung und Klimawandel eher macht- und hilflos. Doch immer wieder gibt es Menschen, die ganz alleine den Grundstein für eine Bewegung oder Veränderung schaffen. Eine solche Person ist William Kamkwamba.

Der heute 22-jährige William stammt aus Malawi in Südostafrika, einem Land in dem laut Amnesty International über 86 Prozent der Bevölkerung nur eingeschränkt Zugang zu Bildungseinrichtungen und Gesundheitsfürsorge haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 46,3 Jahren und die Ernährungslage ist kritisch.

Als Folge einer verheerenden Dürrekastrophe musste William 2001 die Schule abbrechen, da seine Familie das nötige Schulgeld nicht mehr bezahlen konnte. Aber William gab nicht auf und lernte mit Aufzeichnungen seiner Klassenkameraden und Büchern aus der Dorfbücherei weiter. Als er über die Vorlage zum Bau einer Windmühle stolperte, wagte er den Versuch, eine solche Anlage zu bauen, um Strom für das Haus seiner Eltern zu erzeugen.

Auf einem schwindelerregend hohen Turm aus Gummiholz bastelte er aus Fahrradschrott, einem alten Stoßdämpfer, einem Traktormotorteil, einem Kugellager aus einer Erdnussmühle und geschmolzenen PVC-Rohren als Rotorblätter, ein Windrad. Dieser Prototyp aus Müll brachte tatsächlich eine Glühbirne zum Leuchten und war gerade erst der Anfang. Der damals 14-jährige William verbesserte sein Windrad, erweiterte es um eine Batterie, um so den gewonnenen Strom zu speichern, und erhöhte die Stromleistung durch zusätzliche Solarmodule.

Mittlerweile hat jedes Haus in William‘s Heimatdorf Wimbe Licht durch eine solche Anlage. Windmühlen schöpfen Wasser und eine solarbetriebene Pumpe füllt die Wassertanks aus dem Dorfbrunnen.

William Kamkwamba ist nicht nur eine Berühmtheit in seinem Heimatland, seine Geschichte geht um die Welt. Dank eines Stipendiums studiert er in Johannesburg an der African Leadership. Er plant die Gründung einer Firma zum Bau von Windrädern in Afrika und sammelt auf seinem Blog williamkamkwamba.typepad.com Spenden für den Wiederaufbau seiner alten Grundschule. William hat auch ein Buch über seine Geschichte geschrieben, die deutsche Übersetzung „Der Junge, der den Wind einfing: Eine afrikanische Heldengeschichte“ erscheint voraussichtlich im April 2010.

Vor allem aber macht William Kamkwamba eines: Mut.

Matthias Schaffer

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