Denkmalschutz versus Klimaschutz

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Denkmalschutz und energetische Modernisierungs-arbeiten ist eine Thematik, die sich in den wenigsten Fällen miteinander vereinen lässt, ohne Konflikte auszulösen. Besonders, wenn es um die Installation von Solarmodulen oder Sonnenkollektoren auf Dächern historischer Bauten oder schützenswerter Ensembles geht.

Hierzulande sind geschützte historische Altstädte oder einzelne denkmalgeschützte Gebäude keine Seltenheit. Gerade bei Maßnahmen im baulichen Bereich, die dem Gedanken der erneuerbaren Energien gerecht werden, wie etwa Außendämmung oder Photovoltaikanlagen, reagieren Denkmalschutzbehörden mitunter recht empfindlich. Zu weit entfernt vom Kerngedanken des Denkmalschutzes, das baukulturelle Erbe nahezu unverfälscht zu erhalten,

sind die energieeffizienten Maßnahmen unter Ausnutzung alternativer Energien. Denkmalschutz sinnvoll mit erneuerbaren Energien zu verknüpfen scheint unter den Auflagen der Behörden und der individuellen Abstimmung mit ebendiesen kaum möglich zu sein. Zahlreiche Beispiele und Gerichtsurteile verdeutlichen die Problematik.

Die Schlüsselherausforderung besteht darin, neue Entwicklungen zu etablieren und dabei historische Werte zu bewahren. An Lösungen, aktuelle Energiekonzepte mit der Denkmalpflege unter einen Hut zu bringen, mangelt es derzeit. Aus diesem Umstand resultiert dann nicht selten der völlige Verfall schützenswerter Gebäude. Zu aufwändig die Sanierung für die Besitzer, zu kostspielig die Vermietung angesichts der hohen Energiepreise und energetischer Inkompetenz solcher Bauten. Ein Umstand, den sich die Denkmalbehörden sicherlich so nicht ausgerechnet haben.

Schließlich muss auch in historischen Bauwerken eine Nutzung erneuerbarer Energien und damit eine größtmögliche Energieeinsparung möglich sein. Die Hauptproblematik besteht darin, sowohl dem energetischen Aspekt, als auch dem Kerngedanken des Denkmalschutzes gerecht zu werden. Das könnte durch neue Technologien und Methoden geschehen, die den Aspekten der Ästhetik historischer Dächer und Fassaden ebenso gerecht wird, wie der energetischen Qualität der Gebäude. Etwa durch dachintegrierte Photovoltaikanlagen oder farbliche Variationen der Module, die den Charakter des Gebäudes nicht verfälschen und sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen.

Gerade Wärmedämmung und effiziente Heiztechnik spielen in der Sanierung von Altbauten eine gewichtige Rolle. Auch bei historischen und denkmalgeschützten Gebäude kann durch entsprechende Baumaßnahmen die Gesamtenergiebilanz verbessert werden, ohne die historische Bausubstanz zu beeinträchtigen. Das gelingt etwa durch effiziente Anlagentechnik im Heizbereich, welche die schlechten Dämmeigenschaften der Gebäudehülle mitunter ausgleichen kann. Und auch Dachflächen geschützter Gebäude können teilweise mit Solaranlagen bestückt werden, sofern dadurch der Denkmalwert des Gebäudes nicht wesentlich beeinträchtigt wird – so zumindest ein Urteil des Verwaltungsgerichts Braunschweig (Az.: 2A180/05).

Dennoch liegt die Auslegung energetischer Maßnahmen in den Händen der einzelnen Kommunen, dessen örtliche Gestaltungssatzungen eine flexible Handhabe ermöglichen. Eine Zustimmung für die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf denkmalgeschützten Gebäuden ist und bleibt also eine Sache des Gutdünkens, was leider oft genug frei nach dem Motto „Auch wenn der Ruf nach erneuerbaren Energien noch so groß ist – Hauptsache das Erscheinungsbild des Gebäudes wird nicht verfälscht“ entschieden wird.

Judith Schomaker

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