Das EEG und die Zukunft der Bürgerenergie

Bürgerenergie

Die Änderungen des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) stoßen vielseitig auf Kritik. Während die großen Energiekonzerne mit ihren Kohlewerken davon profitieren, stehen vor allem die Bürger als Verlierer da. Was sind die Auswirkungen der Novelle für die Bürgerenergie?

Fast die Hälfte des derzeitigen Ökostroms wird von Privatleuten, Kommunen oder Genossenschaften produziert. Das Potential der Energiegenossenschaften in Deutschland ist dabei enorm: Rund 900 Genossenschaften mit etwa 130.000 Mitgliedern engagieren sich für eine dezentrale Energiewende vor Ort. Doch mit der Änderung des EEG werden diese schnell an ihre Grenzen stoßen, denn ab dem Jahr 2016 können Bürgerenergieanlagen ihren produzierten Öko-Strom nicht mehr ohne weiteres in das Netz einspeisen.

Grund hierfür ist die notwendige Direktvermarktung an der Strombörse sowie die Ausschreibung von Projekten. Ausgenommen von der direkten Vermarktung an der Strombörse sind lediglich die sehr kleinen Stromerzeuger. Bürgerenergieanlagen sind allerdings auf Grund ihrer geringen Größe für die Vermarktungsunternehmen nur wenig attraktiv, Energie aus Bürgerhand wird es somit zukünftig schwer haben, sich auf dem Strommarkt gegen größere Mitbewerber zu behaupten. Die Ausschreibung wird dann ab 2017 die bisher garantierten Einspeisevergütungen ersetzen. Die erhofften Vorteile sind dabei Kostentransparenz und klare, nachvollziehbare Kriterien zur Vergabe. Denn den Zuschlag bekommt derjenige mit den geringsten Subventionsforderungen.

Was in der Theorie gut klingt, funktioniert in der Praxis nur selten. Bisher gibt es weltweit keinerlei Erfolgsmodelle für Ausschreibungen. Zuletzt sind die angestrebten Ausschreibungen aufwändig und kompliziert, so dass Privatpersonen und Bürgerwerke den großen Anbietern und Konzernen unterlegen sind. So stellt schon jetzt der Umweltminister Baden-Württembergs Franz Untersteller fest, dass es „eine großzügige de-minimis-Regelung braucht, die es Genossenschaften erlaubt, auch außerhalb von Ausschreibungen ihre Projekte realisieren zu können.“ Denn nur somit kann die Akteursvielfalt am Strommarkt gewahrt werden. Doch eine Umsetzung dieser Forderung kann frühestens bei der nächsten Novelle des EEG im Jahr 2016 erfolgen.

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Schließlich gilt nach wie vor wie vor: Jeder kann – auch ohne Engagement in einer Energiegenossenschaft oder durch die hauseigene Solaranlage – zur Energiewende beitragen. Der einfachste und zugleich wichtigste Schritt ist dabei der Wechsel von Konzernen, die Atom-oder Kohlestrom anbieten, zu Ökostrom-Anbietern wie Naturstrom, Lichtblick, oder EWS Schönau. Auch ein Bankenwechsel kann viel bewirken, denn viele Banken – unter anderem die Deutsche Bank – finanzieren mit dem Geld ihrer Kunden Atom- und Kohlekonzerne. Alternativen bieten hier die GLS Bank, die Umweltbank, Triodos oder die Ethikbank. Und wer sein Geld gerne nachhaltig anlegen möchte, kann das bei einer der Energiegenossenschaften vor Ort tun. Fazit: Die Novelle sollte den Einzelnen nicht in seinem Engagement bremsen, sondern vielmehr dazu motivieren, gerade jetzt aktiv zu werden!

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