Kohlekraft in Berlin vor dem Aus

Die Berliner Kohlekraftwerke sollen abgeschaltet werden

Die Ära der Kohlekraft scheint bald zu Ende. Erst kürzlich verkündete die Bundesnetzagentur ihre Prognose, bis 2020 würden rund die Hälfte der deutschen Braunkohleanlagen abgeschaltet werden. Gestern zog Berlin nach und teilte mit, bis 2020 alle vier Kohlekraftwerke der Stadt stilllegen zu wollen.

Die Schließung der Anlagen wäre im Sinne vom Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, alte Kohlekraftwerke in der Bundesrepublik abzuschalten, um das deutsche Klimaschutzziel – eine Verringerung der CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 – doch noch zu erreichen. Umweltexperten hatten im Vorfeld gewarnt, dies sei nur durch einen weitestgehenden Verzicht auf die Kohleverstromung in Deutschland zu realisieren. Ohne diese Maßnahme sei lediglich eine Reduzierung von maximal 33 Prozent realistisch.

Das nun die vier Berliner Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen, ist das Zwischenergebnis einer Debatte der Enquete-Kommission, die gestern im Berliner Abgeordnetenhaus stattfand, schrieb das Nachrichtenmagazin die „Welt“ online. In der Kommission sitzen elf Abgeordnete verschiedener Parteien und fünf externe Experten. Der Vorsitzende der Kommission Jörg Stroedter (SPD) sagte zu den Plänen: „Wir müssen es schaffen, bis 2050 eine klimaneutrale Stadt zu sein.“ Klimaneutralität bedeutet, ohne die Freisetzung klimaschädlicher Gase auszukommen“.

Um dieses Vorhaben umzusetzen soll außerdem die Energieeffizienz öffentlicher Gebäude der Hauptstadt bis 2050 durch Sanierungen maximiert werden, denn diese Maßnahme ist für den Klimaschutz besonders vielversprechend. Bislang ist allerdings unklar, wie die umfangreichen Sanierungen finanziert werden sollen, die nach Meinung von Experten mindestens eine Milliarde Euro kosten könnten.

Die Enquete-Kommission wurde vor einem Jahr von den fünf Fraktionen des Abgeordnetenhaus gegründet. Das Ziel der Kommission sollte es dabei sein, Pläne zu erarbeiten, den Energieverbrauch der Nutzer zu verringern und gleichzeitig die Energieeffizienz öffentlicher und privater Gebäude zu steigern. Außerdem soll die Kommission die Zukunft der energiewirtschaftlichen Strukturen Berlins untersuchen. Dazu gehören neben den Gebäudesanierungen vor allem die Berliner Kraftwerke und Stromversorger. Bis spätestens diesen Sommer sollen dafür fertige Strategien erarbeitet werden. Stroedter wolle dann einen Bericht vorlegen, der klare Handlungsvorschläge mache und die einvernehmliche Meinung aller Fraktionen vertrete, sagte er abschließend.

  •    Das könnte Sie auch interessieren:
  • Europa: Energieverbrauch deutlich gesunken
  • Konventionelle Energieerzeugung teurer als Ökostrom
  • Geht die Ära der Kohlekraft bald zu Ende?

1 Kommentar