Briten bauen größten Windpark der Welt

Wer Ferien auf der britischen Insel macht, hat meist einen dicken Pullover und Regenjacke im Gepäck. Die heftigen Stürme machen das Königreich nicht gerade zu einem Urlaubsparadies. Doch jetzt wollen die Briten aus ihrem schlechten Wetter Kapital schlagen: Umweltfreundlicher Offshore-Windstrom soll bis 2020 rund ein Viertel ihres Energiebedarfs decken. Das Mammutprojekt in der Nordsee kommt auch deutschen Firmen zugute.

Der geplante Offshore-Windpark ist in vieler Hinsicht ein Vorhaben der Superlative: Vor der Ostküste Englands sollen Windkraftanlagen mit der ernormen Gesamtkapazität von 25 Gigawatt gebaut werden. Zum Vergleich: Die Leistung eines durchschnittlichen Atomkraftwerks liegt bei einem Gigawatt. Um diese unglaubliche Energieleistung zu vollbringen, drehen sich laut Plan der britischen Regierung schon bald 6.400 Turbinen in den rauen Gewässern der Nordsee. Der Windpark erstreckt sich dann auf eine Fläche von 8.600 Quadratkilometern – das Saarland würde hier drei Mal hineinpassen.

Bei der prestige- und gewinnträchtigen Ausschreibung haben die deutschen Energieriesen Eon, Siemens, RWE und Hochtief bereits Zuschläge erhalten. Eine besondere technische Herausforderung stellt dabei der Standort der Anlagen: Erstmals sollen Windräder in einer Entfernung von 195 Kilometern zum Festland errichtet werden. Dort liegt die Wassertiefe der Nordsee bei rund 50 Metern.

Der riesige Offshore-Windpark würde natürlich auch dem Klimaschutz zugute kommen: Mit seiner Hilfe will man dem Ziel der Europäischen Union näher rücken, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren. Gegenwärtig liefern regenerative Energieträger wie Wind und Sonne erst zwei Prozent des Strombedarfs im Vereinigten Königreich.

Mit dem 100 Milliarden Pfund-Projekt stellen die Briten selbst das deutsche Prestigeobjekt alpha ventus weit in den Schatten: Bislang ist der deutsche Offshore-Windpark nördlich der Insel Borkum weltweit der erste, in dem ein Dutzend Windkraftanlagen der fünf Megawatt-Klasse zum Einsatz kommen. Ihre Gesamtleistung beträgt mit 60 Megawatt knappe 0,2 Prozent der Kapazität des britischen Offshore-Projekts.

Timon Oberheide

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