Braucht die Energiewende mehr erneuerbare Wärme?

In unserem Artikel
„Solarthermie – die Stiefschwester der Photovoltaik“heißt es:

„Obwohl der Wärmebedarf einen so großen Teil des Energieverbrauchs einnimmt, wird er für die Energiewende bisher vernachlässigt. In der nachhaltigen Energieversorgung dreht sich meist alles um die Strombereitstellung durch erneuerbare Energien.“

Sollte sich die Bundesregierung stärker auf den Ausbau der erneuerbaren Wärme konzentrieren oder ist es richtig, sich im Hinblick auf die Energiewende auf die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien zu fokussieren? Warum spielt die erneuerbare Wärme hier bisher eine so untergeordnete Rolle?

Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns (im Feld „Kommentar schreiben“), was Sie darüber denken.

6 Bemerkungen

  • Ich glaube dass es sich hier zum Teil um ein Wahrnehmungsproblem handelt – laut einer aktuellen Forschungsarbeit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft[/url] (FFE http://bit.ly/1ePyRcF) ist zumindest unter Einfamilien- und Reihenhausbesitzer die Solarthermie verbreiteter als die Photovoltaik.

    Insgesamt glaube ich aber dass die Diskussionen um die Einspeisevergütungen, die die Photovoltaik in den letzten Jahren sehr attraktiv gemacht haben, die Potenziale der Solarthermie einfach etwas in den Hintergrund gedrängt haben. Zudem gibt es für Solarthermie kaum Fördermittel. Langfristig kann sich das aber durchaus ändern; wenn die Erlöse aus den Einspeisevergütungen bei der Photovoltaik nicht mehr im Vordergrund stehen sondern zunehmend der Eigenverbrauch, und wenn die Preise für Öl und Gas zukünftig steigen (wovon auszugehen ist), kann die Solarthermie durchaus wieder zu einer attraktiven Energiequelle werden.

  • Sicherlich brauchen wir mehr erneuerbare Wärme, jedoch gibt es bisher überhaupt keinen sinnvollen Lösungsansatz – und genau darin liegt das Problem. Solarthermie habe ich bereits, vom Gas komme ich aber dennoch nicht weg. Pellets etc. kommen wegen der Bindung an den Ölpreis nicht in Frage. Was bleibt wäre Erdwärme, doch auch hierfür brauche ich wieder Strom für die Pumpe – gerade im Winter habe ich hiervon aber leider noch nicht genug – so rechnet sich derzeit der Umbau noch nicht. Von daher versuche ich jetzt erstmal an einem Forschungsprojekt für Kleinwindenergie teilzunehmen. Sollte dabei rauskommen, daß ich meinen Strombedarf auch im Winter decken kann – wäre der nächste Schritt dann Erdwärme. Eine andere variante wäre natürlich den Überschüssigen Strom im Sommer zu speichern, so daß man ihn im Winter nutzen kann – aber auch dafür gibt es ja keine (bezahlbare) Lösung.
    Ach ja gedämmt habe ich natürlich schon 😉

  • Erneuerbare Wärme hat durchaus ihre Berechtigung, man muss jedoch genau schauen, wo diese sinnvoll genutzt werden kann. Meines Erachtens ist dies bei großen Anlagen, z.B. für Schwimmbäder oder Hotels sinnvoll. Für weniger sinnvoll erachte ich es im privaten Bereich:
    Die erneuerbare Wärme im privaten Bereich ist mit wenigen Kollektoren (Solarthermie) bereits ausreichend zu erzeugen. Diese sind zwar effizienter als PV, aber es ist im Zweiflesfall ein zweites System (wenn man PV ebenfalls hat, wozu ich rate). Da man die Wärme vor allem im Winter braucht, kann ich diese dann weder direkt über Solarthermie noch indirekt über PV und Heizstab erzeugen. Im Sommer hingegen, ist mein Speicher schnell voll und die Solarthermie liegt nutzlos auf dem Dach rum (im übertragenen Sinne). Mit PV hingegen, kann ich in etwas immer so viel Wärme mittels Heizstab produzieren wie notwendig, den Rest des Stroms in Netz speisen und habe nur ein System.

  • Ich bezweifle, dass Umweltwärme eine untergeordnete Rolle spielt. Wärmepumpen ziehen ein Mehrfaches des Stromeinsatzes als Wärme aus der Umwelt. Das sollte man bei „Umweltwärme nutzen“ einrechnen.
    Bei jeglicher Energieumwandlung entsteht ohnehin, oft nicht genutzte Wärme.
    Da lohnt es sich nicht, wertvolle Dachflächen für Thermokollektoren zu verwenden. Wenn schon dann edleren Strom mit PV Anlagen erzeugen und Wärme durch Dämmung gewinnen. Mit Photovoltaik gewinnt man auch im Winter Strom, wenn die Thermoanlagen still stehen.

  • Die Frage geht absolut in die richtige Richtung.
    Die Energiemengen, die für das Heizen drauf gehen, betragen ein vielfaches dessen, was wir zumindest privat an Strom verbrauchen. Solarthermie kann pro Quadratmeter ein vielfaches der Energie einer Photovoltaikanlage erwirtschaften. Die Rentabilität einer Solarthermieanlage ist nahezu gegeben und vergleichsweise kleine Förderungen können einen großen Schub geben.

    Allerdings ist die Solarthermie nur ein kleiner Ausschnitt der Potentiale um die Gebäudeheizung.
    Nicht nur die Eingrenzung auf solare Stromerzeugung ist ökonomisch und ökologisch bedauernswert.
    Auch die Eingrenzung auf die regenerative Energieproduktion und die Vernachlässigung der Energieeffizienz ist letztendlich ein schädlicher Fehler.
    In der Gebäudeheizung stecken enorme Wirtschaftlichkeitspotentiale. Der Schritt zum Passivhaus wird heute nur in exotischen Nischen vollzogen, würde uns aber essentiell unabhängiger von fossilen Vorräten machen.
    Auch im Stromverbrauch wird aus meiner Sicht viel zu wenig über Einsparpotentiale gesprochen. Ein gewöhnlicher Haushalt kann fast ohne Komforteinbußen mit einem viertel des heutigen Durchschnittsverbrauchs auskommen, wenn ein paar Geräte intelligent beschafft werden und ein wenig umorganisiert wird.
    In der Industrie führt der billige umlagebefreite Strom zu energetischen Exzessen und macht alle Einsparungsbemühungen unwirtschaftlich.
    Selbst im Individualverkehr wird heute fast ausschließlich über alternative Energien gesprochen, wohingegen die Autos immer größer werden und niemand mehr vom 3-Liter-Auto spricht. Dabei wäre dieses viel billiger als Elektroautos und hätte in der Masse ganz andere Einsparungspotentiale.
    In ganz vielen Fällen kann ein in Energieeffizienz investierter Euro viel mehr CO2 sparen, als ein in regenerative Energien investierter Euro.

  • Hallo zusammen,

    habe meinen Beitrag geschrieben ohne die vor mir geschriebenen Beiträge gelesen zu haben. Bin ganz froh.
    Hätte ich diese gelesen, wäre es ein Korrekturversuch der vorherigen Meinungen geworden, diese gehen teilweise stark an der Realität vorbei.

    Nun zu meinem Text:

    eigentlich keine Frage, obwohl ich es gern sehe dass Sie hier einen Diskussionsbeitrag eingestellt haben.

    Bezogen auf den Privatverbraucher ist der Energieanteil für Wärme bei über 80 %. Wenn es da keinen Sinn macht die Sonne für die Wärme heranzuziehen weiß ich auch nicht mehr. Die Technik ist verfügbar, die Technik ist ausgereift, eigentlich ist alles da was wir benötigen. Sogar ein ordentliches Förderprogramm der Bafa, günstige Kredite der KFW. Es war ja auch schon besser, in 2008 über 50 % mehr verkaufte Kollektorfläche als 2013 ! . Zahlen durch den BSW bestätigt.

    Wo ist die Bremse, die gelößt werden muss?.

    Verschieden Kreise haben es perfekt geschafft die Energiewende rein auf “ Strom “ zu konzentrieren. Im Thermiebereich läuft die Energiewende rückwärts. Selbst beim BSW musste man bis vor kurzem auf der Homepage noch Solarthermie suchen!, so klein war der Button zum anklicken.

    Wenig oder keine Öffentlichkeitsarbeit. Gesetze helfen auch nicht, ganz im Gegenteil, siehe Baden Württemberg
    E-Wärmegesetz. Das Gegenteil tritt ein. Deutlich weniger eingebaute Heizkessel. Originalton : Wenn ich das machen muss, warte ich einfach noch bis der Heizkessel kaputt ist.

    Die Solarthermie-Branche hat viele Gegner und nur wenige Befürworter.

    Wenn in diese Richtung nicht kräftig die Trommel gerührt wird. Werden wir dasselbe erleben wie in der PV-Industrie. Die typischen Hersteller von thermischen Solaranlagen können es nicht durchhalten.

    Wenn man täglich mit dieser Zurückhaltung konfrontiert ist, hofft man auf ein Wunder, oder den Sechser im Lotto.

    Es müsste großflächig begonnen werden, den Nutzen der Solarthermie in der Einsparung ( CO² Umwelt, Heizkosten-Geldbeutel , darzulegen. Moderne Heizungen mit der Nutzung der Solarthermie können doch nachgewiesen 35 – 50 % Einsparung erziehlen.

    Diese neuen Anlagen sind doch rentabel.

    Wo finden wir den gro0en “ Macher „, der das kann?. Fan Projekte Solarthermie in ganz Deutschland generieren.
    Der “ Macher “ müsste sich nur damit auskennen, wie man möglichst preisgünstig viele Leute erreicht. Facebook und/oder Xing , Linkedin usw.

    Preisgünstig, weil die meisten Speizalisten im Moment nicht auf Rosen gebettet sind.

    Hoffe auf eine rege Diskussion.

    HD