Betrug mit Grünstromzertifikaten

Windräder; Bild: shutterstock

Mehrere Umweltorganisationen zweifeln daran, dass der Ökostrom der Münchner Stadtwerke im Tarif „M-Ökostrom“ wirklich aus erneuerbaren Energiequellen stammt.  Grund für den Verdacht ist der Kauf von Grünstromzertifikaten. Durch Grünstromzertifikate kann herkömmlicher Strom als Ökostrom gehandelt werden, ohne dass dies rechtlich geahndet wird.

Nach Meinung der Umweltverbände bergen Grünstromzertifikate die Gefahr von Missbrauch. Seit 2002 gibt es das sogenannte RECS (Renewable Energy Certificate System), mit dem in 15 europäischen Ländern ein Markt für den Handel mit Grünen Zertifikaten erschaffen wurde.

Grünstromzertifikate oder Grüne Zertifikate dienen als Garantie, dass eine bestimmte festgelegte Menge Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wurde. Der Haken an der Sache: Generell sollte das Geld der Kunden, die in Ökostrom investieren, auch nur in die Ökostromherstellung fließen. Durch Ökostromzertifikate kann dies umgangen werden und das Geld landet ebenso bei Atom- und Kohlekraftwerken. Zwar hat der Endkunde die Gewissheit, dass eine bestimmte Menge nachhaltigen Stroms erzeugt wurde, nicht jedoch die Sicherheit, dass stattdessen keine fossilen Energiequellen ausgeschöpft wurden.

Stromanbieter kaufen Strom beliebiger Herkunft zum günstigsten Preis bei Stromhändlern oder an der Börse und erwerben zusätzlich eine entsprechende Menge Grünstromzertifikate. Dadurch können sie ihren Strommix als Ökostrom verkaufen. Das rentiert sich preislich – denn auf dem Markt herrscht ein Überschuss an Grünstromzertifikaten, was diese äußerst preiswert macht – so dass der Ökostrom günstig, teilweise zum gleichen Preis wie herkömmlicher Strom, oder sogar billiger, verkauft werden kann.

Leider entspricht dieser dann nicht mehr dem Grundsatz ‚Wo Ökostrom draufsteht, ist auch Ökostrom drin‘. Für den Verbraucher ist keine Nachvollziehbarkeit gegeben, denn dem Strom sieht man seine Herkunft nicht an. Die meisten RECS-Zertifikate stammen aus größtenteils veralteten Wasserkraftanlagen. Weder deren Betreiber noch die Käufer dieser Zertifikate haben einen Anreiz, in den Ausbau erneuerbarer Energie oder in neue, saubere Kraftwerke zu investieren. Die Grünstromzertifikate haben somit kaum einen ökologischen Nutzen und tragen nicht zur CO2-Minderung bei.

Dem Kunde bleibt nur die Möglichkeit, einen Ökostromanbieter zu wählen, der nachweislich keine Grünstromzertifikate kauft, sondern direkt Verträge mit den Betreibern regenerativer Kraftwerke abschließt, wie beispielsweise Greenpeace Energy oder Naturstrom.

Josephin Lehnert

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