Behindert Bayern die Energiewende?

Hält Bayern den Ausbau der Erneuerbaren Energien auf?

Deutschland will „grüner“ werden. Um das zu erreichen, hat sich die Bundesregierung ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des bundesweit benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Bis zum Jahr 2035 sollen es sogar bis zu 60 Prozent sein. Auch Wärme soll zunehmend aus regenerativen Energien produziert und der bundesweite CO2- Ausstoß deutlich gesenkt werden. In einem Satz: Die Energiewende soll vorangetrieben werden. Doch das geschieht bei weitem nicht in jedem Bundesland gleich schnell. Vor allem in Bayern hat der Ausbau der Erneuerbaren besonders große Hürden zu überwinden. Wir erklären, warum manche befürchten, die Energiewende könne sogar an Bayern scheitern.

Der Atomunfall in Fukushima läutete eine Zeit des Umdenkens bei vielen Menschen ein. Nie stand die günstige Atomkraft so sehr zur Diskussion wie nach dem Reaktorunglück. Was mit Tschernobyl seinen Anfang nahm, endete mit Fukushima. Der Beschluss war gefasst. Die Atomkraft musste weg aus Deutschland. Vor allem Süddeutschland traf diese Entscheidung energiepolitisch hart, denn gerade dort wurde die Stromversorgung über viele Jahre hinweg durch die Atomenergie sichergestellt. Dennoch: Auch im Freistaat versuchte man seit dem Beschluss zum Atomausstieg Alternativen zu finden und verstärkt auf den Ausbau regenerativer Energien zu setzen.

Das Ziel der bayerischen Staatsregierung ist dabei ähnlich ehrgeizig wie das der Bundesregierung. Bis zum Jahr 2021 soll die Hälfte des benötigten Stroms mit Hilfe erneuerbarer Energieträger erzeugt werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bislang liefert der Ökostrom nur rund 31 Prozent der in Bayern benötigten Energie. Bayern liegt damit im Vergleich mit den anderen Bundesländern lediglich im Mittelfeld. Punkten kann der Freistaat vor allem beim Ausbau der Solarenergie, deren Entwicklung allerdings in ganz Deutschland in den letzten Jahren stagniert und nicht alleiniger Lösungsweg zur langfristigen Versorgungssicherheit sein kann.

Viele Beobachter sind sich einig, dass in Bayern in Sachen Energiewende einiges im Argen liegt und dringend die richtigen energiepolitischen Entscheidungen getroffen werden müssten. Vor allem beim Ausbau der Windkraft kann sich der Freistaat nicht ausreichend entwickeln. Das liegt laut Experten hauptsächlich an der Mindestabstandsregelung für Windkraftanlagen, die die CSU im November 2014 gesetzlich beschlossen hat. Das Gesetz besagt, dass der Abstand von Windkraftanlage zum nächsten Wohngebiet mindestens zehnmal die Höhe der Turbine betragen muss (10h Abstandsregelung). Diese Regelung macht es immer schwieriger, geeignete Standorte für die Windparks in Bayern zu finden. Einige Energieexperten prophezeiten damals schon das Ende der Windkraft in Bayern.

Im Jahr 2014 wurden zwar noch 154 Windkraftanlagen neu in Betrieb genommen und Bayern lag damit beim Ausbau der Windenergie beim Vergleich mit den anderen Bundesländern auf einem durchschnittlichen fünften Platz. Energieexperten gehen jedoch davon aus, dass der ohnehin steigerungsfähige Ausbau der bayerischen Windkraft mit dem Inkrafttreten der Mindestabstandsregelung künftig wohl noch mehr ins Stocken geraten wird. Das wird sich natürlich auch insgesamt negativ auf die Energiewende auswirken.

Doch wie kann Bayern dann zum Erfolg der Energiewende und zum Erreichen der Regierungsziele beitragen? Eine Möglichkeit wäre der Bau von neuen Stromleitungen, die den Ökostrom aus dem Norden in den Freistaat transportieren. Diese großen Stromtrassen sind eigentlich längst in Planung, doch das Vorhaben stößt bei überraschend vielen Menschen auf massive Gegenwehr. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer stoppte deshalb vorerst die Pläne. Das Thema Stromtrassen ist seitdem ständiger Streitpunkt in Regierungskreisen. Auch öffentlich wird das Thema seit längerem kontrovers diskutiert und spaltet die Meinungen innerhalb der Bevölkerung.

Am heutigen Montag sollen jetzt endlich Resultate der Regierungsdebatte präsentiert werden. Denn heute stellt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Ergebnisse des bayerischen Energiedialogs vor. Zwei Monate lang diskutierten die rund 170 Experten darüber, wie die Zukunft der bayerischen Energieversorgung ohne die Atomkraft gesichert werden soll. Angestrebt wird dabei eine möglichst sichere, bezahlbare und vor allem klimafreundliche Stromversorgung.

Doch Medienberichten zufolge herrscht Uneinigkeit unter den Parteien, vor allem über die wichtige Frage, ob der Bau der großen Stromtrassen nun genehmigt oder die künftige Versorgungssicherheit doch mit neuen Gaskraftwerken gewährleistet werden soll, wie es der Plan von Seehofer vorsieht. Die genauen Ergebnisse werden für heute Nachmittag erwartet, doch die meisten Beobachter gehen davon aus, dass keine Einigkeit erzielt werden wird.

Doch auch wenn überraschend konkrete Pläne gefasst werden sollten, bleibt die Problematik wahrscheinlich bestehen. Denn klar ist, dass der Ausbau der regenerativen Energien in Bayern durch die teils zähe Energiepolitik und Gesetze wie der 10h Abstandregelung verlangsamt wird. Das Versprechen, das einst von der bayerischen Regierung gemacht wurde, Bayern werde Vorreiter bei der Energiewende sein, glaubt mittlerweile kaum noch jemand. 

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