Bau des größten deutschen Geothermiekraftwerks hat begonnen

Geothermie; Bild: shutterstock

Im oberbayerischen Kirchweidach wurde Ende November mit den Bohrungen für das bisher größte deutsche Geothermiekraftwerk begonnen. Durch zwei Bohrungen bis in 4.000 Meter soll heißes Wasser mit 130 Grad Celsius aus dem Untergrund an die Oberfläche gepumpt werden. Das Wasser soll über der Erdoberfläche ein Dampfkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von rund acht Megawatt antreiben. Die Stromproduktion soll pro Jahr bei rund 60 Millionen Kilowattstunden liegen, genug für 20.000 Durchschnittshaushalte.

Finanzinvestor aus Großbritannien beteiligt

Bis Ende Mai 2011 sollen die beiden Bohrungen erfolgt sein. Im April 2011 beginnt der Bau der oberirdischen Anlagen. Das große Plus der Tiefengeothermie ist, dass sie kontinuierlich zur Verfügung steht. Ihr großes Minus sind die immer noch hohen Bohrkosten. Aus diesem Grund gehört Geothermie mit einer weltweit installierten Leistung von rund 30 Gigawatt immer noch zu den kleinen erneuerbaren Energielieferanten. In Deutschland sind zurzeit 30 Geothermiekraftwerke mit zusammen 105 Megawatt in Betrieb.

Bisherige große Geothermieprojekte in Deutschland, wie das der Gemeinde Unterhaching oder in Landau, wurden kommunal oder von kommunalen Energieversorgern gebaut. Anders in Kirchweidach. Das neue Projekt wird von einem Finanzinvestor aus Großbritannien realisiert. Das Projekt rechnet sich für die Investoren aufgrund des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Einziger Wermutstropfen des Projekts ist, dass die Nutzung der Restwärme als Heizenergie nicht geregelt ist. Der Grund: In der Umgebung des zukünftigen Geothermiekraftwerks gibt es zu wenige potenzielle Abnehmer. Das Projekt wird daher erst einmal ein reines Stromkraftwerk bleiben.

Geothermie als Strom- und Wärmelieferant

Nach dem Baustopp des Geothermieprojekts bei Basel, wo es zu Erdstößen gekommen war, ist die Geothermie als Modell zur Strom- und Wärmelieferung immer mehr von den Städten und damit leider auch von den möglichen Abnehmern der Wärme über Nahwärmenetze aufs Land ausgewichen. Das süddeutsche Molassebecken mit den Geothermiekraftwerken Unterhaching und Kirchweidach, ebenso wie der norddeutsche Raum, sind hingegen tektonisch ruhige Zonen und daher für die weitere Erforschung der Geothermie als Strom- und Wärmelieferant wie geschaffen.

Daniel Seemann

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