Atomausstieg behindert erneuerbare Energien

Bei der Diskussion um die Atomkraft wird eines immer deutlicher: Verunsicherung! Zahlreiche Experten warnen vor dem Ausstieg aus der Atomkraft und sehen in ihr vielmehr eine Art Strompreissicherung. Besonders die Kraftwerksbetreiber selbst betonen immer wieder gerne die steigenden Stromkosten als Konsequenz des Atomausstiegs. Nicht zuletzt würde der Ausstieg sogar den Ausbau der erneuerbaren Energien enorm hemmen, denn schließlich stammen die für den Umbau der Energiewirtschaft erforderlichen Mittel aus den Kernkraftwerken. Würde man diese wie ursprünglich geplant abschalten, würde auch die Investitionskraft in Sachen regenerative Energie ausgeschaltet. Dieser Meinung ist zumindest RWE Vorstand Schmitz. Unterstützt in seinen Ausführungen wird Schmitz dabei von dem, mit zahlreichenden Publikationen aufwartenden Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß, der durch eine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke, neben einer großen Finanzspritze für das Bruttoinlandsprodukt und den Gewinnen auf Betreiberseite, vor allem eine finanzielle Entlastung der Verbraucher sieht.

 

Dem gegenüber stehen die Befürworter des Atomausstiegs. Prof. Dr.Uwe Leprich von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften in Saarbrücken äußert sich der Kernenergie gegenüber eher skeptisch. Mit dem Ausbau der „Erneuerbaren“ hat den herkömmlichen Grundlastkraftwerken das letzte Stündchen längst geschlagen. Um den Sockelbedarf zu decken seien diese Kraftwerkstypen viel zu unflexibel. Ein „mal eben runterfahren“, wenn der Energiebedarf durch Windenergie, Photovoltaik und Co. zu Spitzenverbrauchszeiten nicht gedeckt werden kann, ist bei Grundlastkraftwerken in Punkto Verschleiß und Sicherheitsgefährdung zu riskant, sie lassen nach Ansicht von Leprich keine flexible Fahrweise zu. Auch Rainer Braake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe sieht die Grundlastkraftwerke eher als Hemmnis, denn als Segen für die erneuerbaren Energien. Er denkt sogar noch einen Schritt weiter und führt das Sicherheitsrisiko durch Terrorangriffe auf Atomkraftwerke auf. Ein Test, der anlässlich des 11. September 2001 von der Bundesregierung durchgeführt wurde, ergab, dass es keinen Schutz gegen derartige Angriffe gebe und eine Kollision mit einem Flugzeug zu einer Kernschmelze führen könnte. Details zu diesem Test, wen wundert es, wurden jedoch von der Regierung unter Verschluss gehalten.

Bei all den Diskussionen, dem Für- und Wider der Kernenergie und der allgemeinen Verunsicherung, vor allem auf Verbraucherseite, überrascht die kürzlich vorgestellte Studie des Umweltbundesamtes um so mehr! Hierin sieht das Amt keine Notwendigkeit von Kraftwerken, um bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzusteigen. Selbst bei einem Atomausstieg bis 2020 sei kein Bedarf an herkömmlichen Kraftwerken ohne Kraft-Wärme-Kopplung gegeben. Die Versorgungssicherheit und der Klimaschutz würde durch eine Laufzeitverlängerung unberührt bleiben.

Soll das etwa heißen, dass es bei den Diskussionen um Ausstieg oder Verlängerung lediglich um die Profitgier der „Mächtigen“ geht? Schließlich ist es einfacher, die Verbraucher durch ständiges Für und Wider zu verunsichern und ihnen das „gute, alte Atomkraftwerk“ als beste Lösung zu verkaufen, anstatt auf das „Neue“ zu setzen und sich aus der Sackgasse heraus zu bewegen, die keine Wendemöglichkeit offen lässt!

Judith Schomaker

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