Alle Jahre wieder kommt die Strompreiserhöhung

Strompreis; Foto: shutterstock

Same procedure as every year: Zum Jahresbeginn haben insgesamt 578 Energieversorger ihre Preise für Privatkunden um durchschnittlich sieben Prozent angehoben, wie das Verbraucherportal Verivox berichtet. Weitere 52 Anbieter wollen zum 1. Februar die Strompreise erhöhen.

Als Begründung muss meistens die zum 1. Januar 2011 gestiegene EEG-Umlage für Strom aus Wind-, Biogaskraft- und Solaranlagen herhalten, die 2011 auf rund 3,5 Cent angewachsen ist. Auf den ersten Blick wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen also teurer für den Verbraucher. Allerdings sind gleichzeitig auch die Beschaffungskosten der Unternehmen gesunken, wie Verivox berichtet. Und das um insgesamt 20 Prozent. Das Bundeskartellamt untersucht daher derzeit Vorwürfe, wonach der Strompreis von einigen Unternehmen gezielt manipuliert worden ist.

Boomjahr 2010 für Solarenergie

Eigentlich war im vergangenen Jahr viel Aufhebens um den Ausbau erneuerbarer Energien wie beispielsweise der Photovoltaik gemacht worden. Nachdem zunächst befürchtet worden war, die außerplanmäßige Absenkung der Einspeisevergütungen könne potenzielle Käufer abschrecken, ist das Gegenteil eingetreten. Der Absatz hat kräftig geboomt. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht in einer Pressemitteilung von sieben bis acht Gigawatt (GW), die 2010 in Deutschland installiert worden seien. Damit dürften inzwischen über 16 GW an PV-Leistung am Netz sein. Der Absatz hat sich im Inland damit verdoppelt.

Möglich war das starke Wachstum im Solarenergiesektor vor allem durch einen regelrechten Preissturz der Module geworden, der bereits Ende 2008 eingesetzt hatte. Grund dafür war die starke Nachfrage, die paradoxerweise indirekt durch die drastischen Kürzungen der Einspeisevergütungen ausgelöst worden sind: Die Aussicht auf weitere Absenkungen hat die Nachfrage eher beflügelt, weil Interessenten sich beeilten, um für neu eingebaute Solaranlagen noch möglichst gute Vergütungsbedingungen nutzen zu können.

Optimistische Zukunftsaussichten für Solarstrom

Ob alle deutschen Hersteller allerdings der dadurch entstehenden, abwärts gewandten Preisspirale Stand halt können, hatte Solarworld-Chef Frank Asbeck bereits Mitte Dezember 2010 bezweifelt. Er warnte davor, dass einige deutsche Produzenten von Solartechnik die Preisentwicklung von Solarmodulen nicht überleben würden.

Der Bundesverband Solarwirtschaft bleibt jedoch optimistisch: Die Produktionskapazitäten würden weiter ausgebaut und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen verdoppelt werden. Ziel sei es nach wie vor, bis 2020 den Anteil der Solarzellen an der deutschen Stromproduktion von derzeit rund zwei Prozent auf zehn Prozent zu erhöhen und die Kosten für Solarstrom mindestens zu halbieren. Schon in zwei bis drei Jahren soll das Preisniveau der Verbraucherstromtarife erreicht werden. Bei der oben beschriebenen Preisentwicklung eine sicherlich realistische Perspektive.

Daniel Seemann

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