Ängstliches Denken: Das Prinzip VUCA am Beispiel Energiewende

VUCA
VUCA

Alle Branchen erfahren seit Anbrechen des digitalen Zeitalters und der Internationalisierung einen tiefgreifenden Wandel. Ständige Veränderungen durch neue Trends, Gesetze und Normen wirken nicht überschaubar und verwirrend. Die Vernetzung hat in beinahe jeden Lebensbereich Einzug erhalten. Egal ob über soziale Netzwerke oder den digitalen Stromzähler im eigenen Heim. Wir alle spüren diesen digitalen Einfluss und Wandel. Auch in der Energiewende.

Auch Arbeitsplätze und die Arbeitswelt verändern sich durch die Digitalisierung. Alles wird nach und nach auf das Internet abgestimmt, Stichwort das Internet of Things. Der digitale Wandel bedeutet eine dauerhafte Veränderung. Das bedeutet immer das sich der Mensch anpassen muss. Einmal mehr und einmal weniger. Veränderung bedeutet auch, dass Arbeitsplätze verschwinden und Neue entstehen. Genau hier liegt es am Menschen selbst diese Chancen wahrzunehmen.

Angst und aktuelle Entwicklungen

Politischer und wirtschaftlicher Einfluss auf den Arbeitnehmer steigen mit dem dauerhaften digitalen Wandel. Durch die unüberschaubaren Einflüsse kann Angst entstehen. Egal ob unbegründet oder begründet.

Angst wird seit geraumer Zeit von einem neuen politischen Flügel bedient. Argumentationen, welche Ängste bedienen und einfache Lösungen versprechen haben besonders in Europa einen großen politischen Zulauf erfahren. Dies beschränkt sich nicht nur auf die Politik, sondern zieht sich durch die gesamte Wirtschaft und über alle Branchen hinweg. Einfache Lösungen sind Versprechungen, die in einem komplexen System wie der neuen nachhaltigen Energiewirtschaft selten funktionieren können.

Angst um den eigenen Arbeitsplatz schadet nicht nur dem Unternehmen, sondern auch dem Menschen. Die Produktivität und Kreativität leiden durch Angst. Bildung ist hier eine Antwort. HerrIn von neuen Technologien sein und das gesamte System wenigstens grob überschauen zu können sind erste Ansätze, um der Angst entgegenzuwirken.

Die Energiewende

In der Energiewirtschaft ist ein Paradigmenwechsel seit Beginn der 1968er Jahre in den Köpfen der Menschen eingezogen. Ein Beispiel sind die Elektrizitätswerke Schönau, welche von Beginn die Chancen regionaler Wertschöpfung und von erneuerbaren Energien erkannt haben. Mit der Liberalisierung und der Einführung des Erneuerbaren Energien Gesetzes wurden bundesweit erste Rahmenbedingungen geschaffen. Erneuerbare Energien haben mittlerweile einen Anteil von 36% im Stromnetz.

Bis 2050 soll nach Zielen der Bundesregierung der erneuerbare Energien Anteil im Stromnetz bei 80% liegen. Hier werden zwangsläufig neue Jobs entstehen. Das System wir sich langsam hin zur Nachhaltigkeit entwickeln. Es bedarf jedoch nicht nur an engagierten Menschen die sich für Umweltbelange einsetzten. Die eigene Einstellung der Menschen muss sich zusätzlich erweitern. Die Energiewirtschaft ist ein Paradebeispiel für eine Branche in einem starken Umbruch.

Die aktuelle Entwicklung der alten und alternden Energiewirtschaft

Die Chancen der nachhaltigen Energiewende überwiegen die Risiken. Alte konventionelle Beschäftigungsverhältnisse (beispielsweise Steinkohlekumpel in der letzten Zeche im Ruhrgebiet bei Bottrop) werden mit der alternden Belegschaft, entlang der wirtschaftlichen Sterbelinie von fossilen Kraftwerken verschwinden. Bis zum Jahr 2050 werden der Großteil der thermischen Kraftwerke wirtschaftlich oder technisch aus dem Kraftwerkspark Deutschlands verschwinden.

Zusätzlich zum demographischen Wandel wird sich die Altersproblematik in der Energiewirtschaft weiter verschärfen. Das unternehmerische Risiko eines altersbedingten Austritts hat sich seit 2008 von 44% auf 65% gesteigert. Die Energiewirtschaft muss hier vollständig umdenken. Studierende wollen die Zukunft positiv gestalten und nicht in alten konventionellen Jobs fachlich abgehängt werden.

Wie kann die etablierte Energiewirtschaft selbst nachhaltiger und „jünger“ werden? Es besteht anscheinend ein großes Interesse der nachkommenden Generation hier etwas verändern zu wollen und keine Lust auf das „weiter so“ haben. Zusätzlich werden mit steigendem erneuerbaren Energien Anteil bis 2050 prognostiziert 230.000 mehr Jobs entstehen. Dies wird jedoch nicht alleine ausreichen, um Deutschland als weltweiten Technologiestandort zu sichern.

Gelingt die Energiewende mit allen Dimensionen, kann Deutschland diesen Prozess weltweit mitgestalten. Es wird quasi ein Blueprint hin zur nachhaltigen Entwicklung entstehen, welcher von regionalen Unternehmen genutzt werden kann. Neue Vertriebswege und weltweite Kooperationen könnten im Sinne nachhaltiger Lieferketten entstehen. Weg von fossiler zentraler Abhängigkeit hin zu Energieunabhängigkeit und regionaler Wertschöpfung als weltweiter Vorreiter. Quasi ein Made-in-Germany 2.0.

Es benötigt hierfür eine Gedankenwende und einen Perspektivwechsel der Manager, Arbeitgeber und besonders der Arbeitnehmer.

VUCA und nachhaltiges Denken für die Energiewirtschaft

In der Unternehmensführung existiert in Bezug auf den Megatrend Digitalisierung das Akronym VUCA. Dieses beschreibt, ob der Mensch Gestalter oder Opfer der Veränderung einer neuen Technologie ist.

V olatility/Volatil beschreibt die Mächtigkeit des Wandels ungeahnte Kräfte zu entwickeln und kann ein Beschleuniger für einen schnellen Umbruch sein.

Ein dezentrales erneuerbares Energiesystem kann die regionale Wertschöpfung in der Kommune langfristig sichern. Wird diese Perspektive im Mainstream angesiedelt, kann ein schnellerer Wandel ausgelöst werden, welcher eine nachhaltige Entwicklung und Wirtschaft begünstigt.

U ncertainity/Ungewissheit meint, dass es einen Mangel an Berechenbarkeit in komplexen Systemen gibt, wodurch ein fehlendes Gefühl von Verständnis für Themen und Ereignisse zum Vorschein kommt.

Die Energiewirtschaft mit allen seinen Wertschöpfungsstufen ist ein für den Otto-Normalverbraucher unüberschaubares System. Das Verständnis endet häufig bei der Steckdose.

C omplexity/Komplexität zielt auf die unberechenbare Dynamik unseres Systems ab. Vernetzung hilft, kann aber auch in gleichem Maße Verwirrung fördern.

Das elektrische Netz ist ein steuerbares System. Was nicht steuerbar ist, ist wann die Umwelt die die Energie bereitstellt. Wind weht, Sonne scheint und Wasser fließt den Fluss hinab.

A mbiguity/Mehrdeutigkeit beschreibt den Sachverhalt, dass es keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge mehr gibt. Das Tatsächliche verwirrt und lässt Fehldeutungen großen Spielraum.

VUCA ist ein Theorem, welches für Unternehmen Folgen hat. Jedoch lässt sich diese Abkürzung sehr einfach auf den Menschen und sein Verhältnis zur Arbeit übertragen.

Wer diese Zusammenhänge auch nur annähernd versteht und das geballte Potenzial und die Chance hinter dieser Komplexität erkennt, kann sich vom angstvollen hin zum angstbefreiteren Denken bewegen. Befreiteres Denken deshalb, da eine vollständige Ablösung von Angst als menschlicher Reflex nicht wünschenswert wäre. Angst treibt den Menschen voran. Angstvolles Verhocken im spezialisierten Job ohne nach links und rechts zu schauen sollte überdacht werden. Gegebenenfalls kann eine Fortbildung, ein Buch zu einem interessanten Thema oder gar ein weiteres Studium einem den Blickwinkel öffnen. Lebenslanges Lernen und sich somit anpassen kann hier eine mögliche Antwort sein.

Der Mensch wird sich in Zukunft mehr und ständig anpassen müssen. Tut er das nicht, riskiert er abgehängt zu werden. Ein dynamisches neues erneuerbares Energiesystem, welches sich in den nächsten Jahren zu einem immer größeren Anteil an nachhaltigen Energien entwickeln wird, verlangt dieselbe anpassungsfähige Dynamik von ArbeitnehmerInnen.

 

Ein Gastbeitrag von Maximilian van Beuningen

Der Artikel wurde erstmals auf dialog-suffizienz.org mit einem Quellenverzeichnis veröffentlicht.