2015: Rekord für Erneuerbare – außer in Deutschland

Investitionen in Erneuerbare Energien gestiegen

Laut des neuesten Berichts von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) sind die Erneuerbaren Energien weiter auf dem Vormarsch. So wurde 2015 weltweit über 329 Milliarden US-Dollar in die saubere Energietechnik investiert – rund vier Prozent mehr als jemals zuvor. Auch beim globalen Ausbau der Erneuerbaren gibt es einen neuen Rekord. Deutschland allerdings verzeichnete 2015 eine enttäuschende Investitionsbilanz.

 

2015 war fast überall auf der Welt ein gutes Jahr für die Erneuerbaren. Trotz stark gefallener Preise für fossile Energieträger wurden 2015 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 57 Gigawatt und Windanlagen mit 64 GW neu errichtet. Das sei eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2014 und ein neuer globaler Ausbaurekord, so die Analysten des BNEF am Donnerstag.

Zudem floss 2015 mehr Geld als jemals zuvor in die Erneuerbaren. Insgesamt wurden laut BNEF 329,3 Milliarden US-Dollar investiert. Von dieser Summe seien 199 Milliarden Dollar in Großprojekte wie neue Offshore-Windparks in der Nordsee und in den chinesischen Gewässern geflossen. Im Bereich Solarenergie sei dir größte Investition der Solarpark „Silver State South“ gewesen. Die 294 Megawatt Anlage habe rund 744 Millionen US-Dollar gekostet.

Die deutlich gestiegenen Investitionen sind nach Ansicht der Analysten ein Zeichen dafür, dass die Kosten für Erneuerbare Energien weiter sinken. Auch der starke US-Dollar habe zu der guten Bilanz geführt. Am meisten investiert habe 2015 erneut China mit einem Investitionsvolumen von 110,5 Milliarden US-Dollar. Auf dem zweiten Platz lagen die USA mit einer Summe von 56 Milliarden Dollar. Der drittplatzierte und zugleich stärkster auf dem europäischen Markt war das Vereinigte Königreich (UK) mit einer Steigerung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 23.4 Milliarden Dollar.

image001Doch während die Erneuerbaren im Rest der Welt von Rekord zu Rekord eilen, sind die Zahlen für Deutschland ernüchternd. Hierzulande wurden lediglich 10,6 Milliarden US-Dollar investiert. Das seien 42 Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar liegt Deutschland damit weltweit noch immer auf dem sechsten Platz, dennoch ist es das niedrigste Investitionsvolumen seit mehr als zehn Jahren.

Laut des Bloomberg Analyst Luke Mills seien vor allem die stark gesunkenen Investitionen in kleinere bzw. private Solaranlagen und kommerzielle Windparks der Grund für das schwache Ergebnis: „Die verringerte Einspeisevergütung für Solarstrom hat dazu geführt, dass auf weniger Hausdächern Solaranlagen installiert wurden. Zusammen mit den geringeren Preisen für PV-Ausstattung hat das zu dem gesunkenen Investitionsvolumen geführt. Bei der Windenergie seien wahrscheinlich die großen bürokratischen Hindernisse bei der Wahl geeigneter Standorte für kommerzielle Windparks für das gesunkene Investitionen verantwortlich, so Mills.

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Vor allem die Mindestabstandregelung (10H-Abstandregelung) in Bayern wurde in diesem Zusammenhang zuletzt immer wieder kritisiert. Auch die Grünen warnen, der Ausbau der Windkraft in Bayern komme dadurch zunehmend zum Erliegen. Demnach seien 2015 bis Ende September nur noch Anträge für 25 neue Windräder gestellt worden – nach 336 Anträgen im Jahr 2014. Das gehe aus Zahlen des Wirtschaftsministeriums hervor.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner scheint das allerdings nicht genug zu sein. Laut einem Bericht der Bayerischen Staatszeitung fordert Aigner, künftig auch den Ausbau der Windkraft in den anderen Bundesländern stark zu drosseln. Der Freie Wähler-Energieexperte Thorsten Glauber kritisiert das scharf. Aigner habe mit der 10H-Abstandsregelung zuerst den Ausbau in Bayern erfolgreich blockiert, und nun wolle sie auch noch die Windkraft im übrigen Deutschland ausbremsen: „Von der früheren Vorreiterrolle Bayerns bei der Energiewende ist nicht mehr viel übrig geblieben“.

Quelle: Bayerische Staatszeitung / Bloomberg

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