100 Prozent Erneuerbare für Schottland

Schottische Küste mit Wirdfarm; Foto: shutterstock

Die schottische Regierung weiß sich ihre Küste zunutze zu machen. Vor allem mit Windenergie auf dem Meer, aber auch mit Gezeiten- und Wellenkraftwerken verändert das Land seinen Energiemix nachhaltig. Auch auf dem Festland sind Windenergieprojekte mit einer Leistung von 7,4 Gigawatt geplant oder werden schon gebaut.

Die Voraussetzungen für die erneuerbaren Energie-Projekte sind mit den Windverhältnissen und der Geologie sehr günstig. Auf dem schottischen Terrain misst man eine der höchsten Windgeschwindigkeiten Europas. Mit durchschnittlich 8,5 Metern pro Sekunde kann die deutsche Nordseeküste nicht mithalten. Es wird geschätzt, dass ungefähr ein Viertel der europaweit erzeugten Wind- und Gezeitenenergie von der schottischen Küste stammen könnte. Auch die Wellenkraft wäre europaweit mit einem Zehntel vertreten. Die Leistung des Offshore-Potentials wird auf 206 Gigawatt geschätzt.

Zudem leben in Schottland nur rund fünf Millionen Menschen, was die Bebauung der Landschaft vereinfacht.  Da sich die Bevölkerung im Norden Großbritanniens um Edinburgh und Glasgow schart, fällt auch die ästhetische Beeinträchtigung des Landschaftsbildes an anderer Stelle weniger auf. Für die Investoren ist aber wahrscheinlich das dritte Argument ausschlaggebend: Mit der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen blieben Baustellen in Schottland zurück. Diese können nun für die Offshore-Industrie genutzt werden, da auch die Infrastruktur vorhanden ist.

Dies machte es dem neu gewählte Premierminister Schottlands von der Scottish National Party leichter, eine neue, grüne Ära einzuläuten. Sonst eher konservativ eingestellt, gab Alex Salmond bekannt, bis 2020 die Energieversorgung in Schottland komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Dadurch sollen auch bis zu 130.000 neue Arbeitsstellen entstehen. Zuvor war noch von einer ebenfalls ambitionierten 80 Prozentmarke bis 2020 die Rede. Für dieses Jahr erhoffte man sich 31 Prozent für die Versorgung aus erneuerbaren Energien. Schon im Jahre 2009 traten die erneuerbaren Energien mit einem Anteil von 27,4 Prozent des jährlichen Gesamtverbrauchs in Erscheinung. Dabei sind jedoch Import und Export einzubeziehen.

Auch in der Wärmeenergie ist Schottland ambitioniert: In neun Jahren soll diese zu elf Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Zudem wird eine Emissionsverminderung um 42 Prozent bis 2020 angestrebt.

Sieht man sich die Anzahl der neuen Großprojekte an den Küsten im Verhältnis zur schottischen Bevölkerungsgröße an, wird schnell klar, dass Schottland mehr Energie produzieren wird, als es braucht. So soll dann auch die Rechnung mit der grünen Energieversorgung aufgehen: Denn das Land nimmt sich vor, ab 2020 doppelt soviel Elektrizität bereitstellen zu können wie es eigentlich benötigt. Eine Hälfte liefern dabei die erneuerbaren Energiequellen, die andere Hälfte die konventionellen Ressourcen. Das heißt, in Zukunft wird die gleiche Menge Strom exportiert wie in Schottland verbraucht wird.

Demzufolge wird kein Kraftwerk mit fossilen Rohstoffen für die Umwandlung in elektrische Energie zurück gefahren. Nach einer Statistik von 2009 kommt die Kernenergie bei der Erzeugung auf rund 30 Prozent, Kohle auf 23 Prozent und Gas auf 18 Prozent.

Jenny Lohse

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