Wenn Klimaschutz quer durch die Kommune geht

European Energy Award
European Energy Award

Bad Schussenried ist Spitze beim Klimaschutz und beim Energiesparen. Nun gilt es vor allem den Wärmebedarf und die CO2-Emissionen im Verkehr weiter zu senken, ergab eine Fortschreibung des städtischen Klimaschutzkonzepts.

„Erfolgsfaktor ist, dass in Bad Schussenried der Klimaschutz quer durch die Kommune geht und von vielen mitgetragen wird“, sagt Walter Göppel, Geschäftsführer der regionalen Energieagentur. Die Kleinstadt im Landkreis Biberach ist derzeit Spitzenreiter in punkto Energieeffizienz und Klimaschutz bei den Gemeinden in Baden-Württemberg mit weniger als 10.000 Einwohnern. Seit 2012 ist Bad Schussenried mit dem European Energy Award (EEA) mit Gold Status ausgezeichnet. Im Vorfeld der anstehenden Re-Zertifizierung des internationalen Qualitätsmanagementsystems legte nun die Energieagentur Ravensburg eine Bestandsaufnahme und eine Fortschreibung des städtischen Energie- und Klimaschutzkonzepts vor.

Die bisherigen Erfolge können sich sehen lassen. Bereits jetzt sind die bundesweiten Klimaschutzziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der C02-Einsparung bis 2020 erreicht. So verringerte sich der Kohlendioxidausstoß um rund 30 Prozent gegenüber 1995. Der regenerative Anteil des Strommixes liegt bei über 30 Prozent, die erneuerbare Wärmeversorgung bei knapp 20 Prozent. Allein im Jahr 2014 konnten der Wärmeverbrauch um 4,5 Prozent und der Stromverbrauch um 2,5 Prozent gesenkt werden.

So wurden in 2014 beispielsweise 217 Straßenlaternen auf LED umgerüstet und die Nahwärmeversorgung im Teilort Reichenbach erweitert. 82 Genossenschaftler tragen das dortige Nahwärmenetz, das sich aus der Abwärme einer Biogasanlage und von Holzhackschnitzeln speist. Eine Reihe von mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerken versorgen Kliniken, Schulen und Turnhallen der Kommune effizient mit Strom und Wärme. Die Dächer der städtischen Gebäude sind meist mit Photovoltaikanlagen bestückt, die von Bürgerenergiegenossenschaften betrieben werden. Tennis gespielt wird in einer Tennishalle in Passivbauweise mit Solardach. Schüler sind als Junior-Klimaschutzmanager aktiv und Unternehmen tauschen in einem Energieeffizienznetzwerk ihre praktischen Erfahrungen aus.

Jährlich rund 93.000 Euro an Energiekosten konnte die Kommune laut Göppel seit 2011 einsparen. Wie hoch allerdings die Kosteneinsparungen im Vergleich zu den Gesamtinvestitionen sind, sei nur schwer zu beziffern, weil die zusätzlichen Effizienzmaßnahmen meist mit sonstigen Maßnahmen zur Gebäudesanierung kombiniert wurden.

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„Weitere zentrale Schritte für den Klimaschutz sind nun die weitere Senkung des Wärmebedarfs und der CO2-Emissionen des Verkehrs sowie der Ausbau der Eigenversorgung von Haushalten und Betrieben mit Solarstrom“, unterstreicht Göppel. Großes Potenzial biete die Modernisierung von meist veralteten Heizungsanlagen und der Ausbau der Quartiersversorgung. Den öffentlichen Nahverkehr gelte es durch eine kreisübergreifende Verknüpfung von Verkehrsverbünden attraktiver zu machen. Zudem sollten die Mitarbeiter der drei großen Unternehmen am Ort befragt werden, wie sie sich zum Arbeitsplatz bewegen. Darauf aufbauend könnten dann beispielsweise das betriebliche Carsharing oder Fahrgemeinschaften ausgebaut werden. Denn bisher pendeln noch die meisten mit dem eigenen Auto.

Bild: Energieagentur RV.

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