Stromverbrauch effizient steuern

Energiemanagement

Stromausfall in München, S- und U-Bahnen stehen still und in Hunderten von Haushalten ist es dunkel. Ist dies ein Szenario, mit dem wir auch in Zentraleuropa in Zukunft häufiger rechnen müssen? Unser Strommetz war bisher eines der stabilsten, doch mit einem weltweit steigenden Energiebedarf sowie der Einspeisung aus fluktuierenden Energiequellen wie Wind- und Solarenergie könnte unser bisheriges System an seine Grenzen stoßen. Gibt es Lösungsansätze? Was sind mögliche Hindernisse bei der Umsetzung?

Diese aktuellen Fragen bildeten den Anlass für eine Meinungsstudie, die einige Aspekte dieses komplexen Themas aufgreift. Über 800 Mitglieder des CleanEnergy Project beteiligten sich trotz der Winterferien an der im Dezember 2012 und Anfang Januar 2013 durchgeführten Umfrage. Der Fokus der Befragung lag dabei weniger auf dem Einsatz neuer oder zusätzlicher Energiequellen, sondern vielmehr auf der intelligenteren und effizienteren Nutzung und Verteilung der heute erzeugten Energie.

„Die Energieversorgung und auch die Energiepreise sind stets von Energieangebot und -nachfrage abhängig. Probleme mit der Versorgung gibt es vor allem in den Spitzenbedarfszeiten“, so Sam Sciacca, IEEE Standards Association. „Eine intelligente Steuerung, die Angebot und Nachfrage zeitlich geschickt ausgleicht, wird daher aktuell in vielen Ländern unter Schlagworten wie Demand Response, Demand Management oder Demand Site Management als Lösungsansatz diskutiert.“

59 Prozent der Befragten hatten diese Begriffe schon einmal gehört oder gelesen, vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Energieverschiebung /Energielastenausgleichsowie der Zusammenarbeit von Energiedienstleistern, Industrie und Endverbrauchern. 41 Prozent der Umfrageteilnehmer waren die Fachbegriffe unbekannt. Eine Notwendigkeit für Energiemanagement-Systeme sehen allerdings fast alle Befragten (96 Prozent). Als wichtigste Gründe für den Einsatz solcher Systeme wurde die effizientere Nutzung von Energie- und Speicherkapazitäten genannt, gefolgt von der Sicherung einer zuverlässigen Energieversorgung und der effizienteren Einbindung erneuerbarer Energien anstelle umweltbelastender Energieressourcen wie Erdöl, Kohle oder Gasturbinen.

Als Hindernisse bei der Umsetzung eines solchen Energiemanagements sahen 30 Prozent der Befragten mangelnden politischen Willen sowie fehlende staatliche Förderprogramme. Jeweils 18 Prozent nannten das Fehlen grenzübergreifender Industriestandards sowie von Anreizen für Verbraucher, gefolgt von einer fehlenden Einbindung der erneuerbaren Energien in den Energiemarkt für Regelleistung, genannt von 16 Prozent.

Bei der Frage „Denken Sie, dass Industrieunternehmen bereit sind, auf einen flexibleren Energieverbrauch umzusteigen?“ waren die Teilnehmer geteilter Meinung. 42 Prozent halten dies für unwahrscheinlich, da sie befürchten, Aufwand und Kosten für Prozessänderungen könnten die Industrie von einem Umstieg abhalten. 58 Prozent hingegen denken, Industrieunternehmen seien zu einer Umstellung bereit, sofern es dafür einen wirtschaftlichen Anreiz gibt. Auch die Bereitschaft von Privathaushalten, auf einen flexibleren Energieverbrauch umzusteigen, halten 76 Prozent für wahrscheinlich, wenn dies mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden wäre. Bei den Privatverbrauchern könnten aber auch Umweltaspekte einen Anstoß geben, vermuten die Studienteilnehmer.

93 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ein bewusster und auf mehr Effizienz ausgerichteter Umgang mit Energie zur Lösung von Versorgungsproblemen beitragen kann. Allerdings sehen sie fehlendes Know-how sowie fehlendes Vertrauen, dass Einsparungen eingehalten werden als mögliche Barrieren für einen Fortschritt in diese Richtung.

„Mit der Energiewende wird das deutsche Stromsystem von einer kontinuierlichen, zentralen Energieerzeugung auf eine fluktuierende, dezentrale Einspeisung durch erneuerbare Energien umgestellt“, erklärt Thomas Schulz, Vorstand der entelios AG. „So ein drastischer Umbau kann nur durch intelligente Netze und der Mithilfe der Stromkunden gestemmt werden. Die Industrie kann mit ihrer Flexibilität bei elektrischen Verbrauchern und Erzeugern das System signifikant unterstützen.“

Wibke Sonderkamp

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