Raffiniert heizen in Karlsruhe

Abwärme der MIRo speist ins Fernwärmenetz in Karlsruhe
Abwärme der MIRo speist ins Fernwärmenetz in Karlsruhe

Die Nutzung von Prozessabwärme der Industrie für die kommunale Fernwärmeversorgung ist ein wichtiger Baustein für die Steigerung der Energieeffizienz. In Karlsruhe geht man hierbei mit gutem Beispiel voran. Das baden-württembergische Umweltministerium setzt auf einen weiteren Ausbau der Fern- und Nahwärmeversorgung.

Mit Beginn der Heizperiode ging die zweite Stufe der Nutzung von Prozessabwärme der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe in Betrieb. Mittels Wärmetauschern wird die bisher ungenutzte Niedertemperatur-Abwärme (weniger als 130 ᵒC) der Raffinerie für die städtische Fernwärmeversorgung genutzt. 220.000 Megawattstunden Wärme können dadurch jährlich zusätzlich bereitgestellt werden. Bereits bisher nutzen die Karlsruher Stadtwerke rund 300.000 Megawattsunden Abwärme aus der MiRO für ihre Fernwärmeversorgung.

Mit der Wärmeleistung von insgesamt 90 Megawatt können rund 43.000 Wohnungen beheizt werden. Mehr als die Hälfte der Karlsruher Fernwärme stammt nun aus der Raffinerie. „Mit der Nutzung der Prozessabwärme aus der Raffinerie werden zukünftig jährlich über 100.000 Tonnen CO2 vermieden“, so Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz (CDU). Die Energieeffizienz der Raffinerie wird durch die Niedertemperatur-Abwärme Nutzung um bis zu fünf Prozent gesteigert. Die Investitionskosten für das Projekt betrugen rund 24 Millionen Euro.

Die zuverlässige Wärmelieferung aus der Raffinerie sei entscheidend für den weiteren Ausbau der städtischen Fernwärmeversorgung, unterstreicht Karl Roth, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe. Denn die Fernwärme in Karlsruhe „boome“. Seit 2011 konnten die Stadtwerke 11.000 neue Wohneinheiten und 270 Gewerbebetriebe mit insgesamt 103 Megawatt Wärmeleistung als neue Fernwärmekunden gewinnen. Derzeit ist das Fernwärmenetz rund 180 Kilometer lang, rund 20 Prozent aller Haushalte sind daran angeschlossen.

Bis zum Jahr 2020 soll der Anschlussgrad ans städtische Fernwärmenetz auf 25 Prozent erhöht werden. Geplant ist, neue Leitungen nach Durlach und die Rheinstrandsiedlung zu bauen. Die Bauarbeiten für die dritte Fernwärme-Hauptleitung im Süden der Stadt sind inzwischen weitgehend abgeschlossen. Aktuell wird die Südschiene bis zum Hauptbahnhof verlängert und über mehrere Querspangen mit dem Bestandsnetz verbunden.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Dezentrale Energieversorgung und Smart Metering
  • Wärmewende im Heizungskeller kommt gut an
  • Kommunale Wärmewende dank Holzenergie

„Der sinnvolle Ausbau der Nah- und Fernwärme spielt zur Erreichung der Klimaschutzziele bei der Energiewende eine wichtige Rolle“, unterstreicht Umweltminister Franz Untersteller. Hierdurch könne Abwärme sinnvoll genutzt und auch regenerative Energieträger wie Landschaftspflegeholz, Stroh, Biogas oder Solarthermie eingebunden werden. Der größte Teil der Wärmenetze im Land werde allerdings derzeit noch durch fossile Energieträger gespeist.

Im Jahr 2013 waren Fern- und Nahwärmenetze mit einer Länge von über 25.000 Kilometern im Land verlegt, gut 2.000 Kilometer mehr als im Jahr 2011. Auch der durch die KFW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geförderte Ausbau der Wärmenetze in Baden-Württemberg ist deutlich gestiegen, von 166 Kilometern im Jahr 2011 auf 188 Kilometer im Jahr 2013. 52 Bioenergiedörfer in Baden-Württemberg werden derzeit mit regenerativer Nahwärme (wie Biogas, Solarthermie oder Holz) versorgt. Das Umweltministerium setze auf einen weiteren Ausbau der Wärmenetze, so Sprecher Frank Lorho, genaue Ausbauziele habe man allerdings nicht festgelegt.

Add comment