Positive Motivation sorgt für große Einsparungen

Positive Motivation

Lassen sich Verbraucher durch freiwillige Programme und positive Anreize zum Energiesparen anregen, oder müssen Verbesserungen wirklich immer durch Vorschriften und hohe Preise erzwungen werden? Diesem Geheimnis wollte das Britische Ministerium für Energie und Klimawandel auf die Spur kommen und hat zu diesem Zweck das Non-Profit-Institut RAND mit der Durchführung einer Studie beauftragt. Die besten Resultate zeigten dabei Maßnahmen, die auf Teamarbeit setzen und einen Mix aus Anregungen beinhalten, der speziell auf die jeweiligen Personengruppen zugeschnitten wurde. In Deutschland sind derartige Ansätze bisher noch die Ausnahme, aber stetig steigende Strompreise könnten das schon sehr bald ändern.

Im Detail untersuchte RAND weltweit 48 verschiedene Programme, mit denen Verbraucher zum Energiesparen animiert werden sollten, ohne dabei auf finanziellen Druck durch höhere Strompreise zurück zu greifen. Darunter befanden sich sowohl klassische Anzeigenkampagnen, als auch einfallsreichere Systeme wie die „Home Energy Reports“ des amerikanischen Energieversorgers Opower.

Nachbarschaftsvergleich motiviert zum Sparen

In diesen Briefen verglich das Unternehmen den Stromverbrauch des jeweiligen Kunden sowohl mit Haushalten ähnlicher Größe, als auch mit dem Energiekonsum der effizientesten 20 Prozent aus der Nachbarschaft. Wer noch weniger Energie verbrauchte als die sparsamsten Nachbarn wurde mit einem „Great“ und zwei Smileys auf der Rechnung belohnt. Durchschnittliche Haushalte bekamen immerhin noch einen Smiley und ein „Good“ und Haushalte mit überdurchschnittlichem Stromverbrauch wurden mit einem schlichten „Below Average“ abgespeist. Auf einer zusätzlichen Seite erhielten die Verbraucher dann Tipps zum Energiesparen, die auf die jeweilige Verbrauchsgeschichte der Haushalte angepasst waren. Das Ergebnis der „Home Energy Reports“ kann sich sehen lassen: Opower-Kunden verbrauchten dadurch durchschnittlich zwei Prozent weniger Strom.

Noch deutlich umfassendere Einsparungen konnten die Teilnehmer des EcoTeams-Programms der Non-Profit-Organisation Global Action Plan verzeichnen, denn sie verbrauchten im Schnitt gar acht Prozent weniger Strom und 17 Prozent weniger Gas. Die Idee des Programmes ist simpel, aber offensichtlich sehr effektiv: Bei einem monatlichen Treffen besprechen Nachbarn, wie sie ihren Alltag nachhaltiger gestalten könnten, also unter anderem Energie und Wasser sparen oder weniger Müll produzieren. Neben dem bereits erwähnten positiven Effekt der Teamarbeit profitiert dieses System laut der RAND-Studie davon, dass es positive Anreize aus vier Bereichen verbindet:

Der erste beinhaltet simple Verbrauchertipps wie die Installation von Zeitschaltuhren an Heizungen. Der zweite konzentriert sich auf die Vermittlung von Informationen über die Gründe, warum überhaupt gespart werden muss. Zum dritten Bereich gehören Belohnungen wie Geldprämien und Feedback darüber, was die Sparmaßnahmen über einen längeren Zeitraum gebracht haben. Im letzten Bereich soll Verbrauchern vermittelt werden, dass sie nicht nach ihren eigenen Vorstellungen eines nachhaltigen Lebens handeln. So soll erreicht werden, dass sie ihr Verhalten ändern und sich dadurch besser fühlen.

„Anstupsen“ statt verbieten

Hinter all diesen Ansätzen steht eine Idee, die durch den Verhaltensökonom Richard Thaler und sein Buch „Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness“ populär wurde. Demnach müssen Menschen lediglich dazu „angestupst“ (Englisch: nudged) werden gute Entscheidungen zu fällen. In den USA und Großbritannien ist dieser Ansatz bereits äußerst beliebt, in Deutschland setzt man bisher hingegen eher auf Verbote statt auf die Eigenverantwortung der Menschen.

Matthias Schaffer

Add comment