Passivhaus auf dem Mont Blanc

Refuge du Goûter

Dass sich der Passivhausstandard auch bei Berghütten im Hochgebirge mit seinen oft extremen Witterungsverhältnissen realisieren lässt, zeigt der fertiggestellte Neubau des Refuge du Goûter am Mont Blanc, dem höchsten Berg Westeuropas.

Das Gebäude liegt auf 3.835 Metern Höhe und ist das letzte Lager für den Aufstieg zum knapp 1.000 Meter höher gelegenen Gipfel. In dem vierstöckigen Quartier, das man aufgrund seines futuristischen Erscheinungsbildes kaum als „Hütte“ bezeichnen möchte, gibt es Schlafplätze für 120 Bergsteiger. Ein Neubau war notwendig geworden, da die bisherige, bereits 1960 in Betrieb genommene Hütte nicht mehr genug Platz bot, oft überbelegt war und daher den Sicherheits-, aber auch den heutigen Energieeffizienzstandards nicht mehr entsprach.

Und tatsächlich ist das neue Refuge du Goûter hinsichtlich Energie und Wasser nahezu autark. Zunächst einmal ist die Unterkunft mit einer 50 Zentimeter dicken Dämmschicht versehen, die Fenster sind mit einer Dreifachverglasung ausgestattet. Dazu kommt ein mit Sauerstoffsensoren gesteuertes Be- und Entlüftungssystem. Die Wasserversorgung ist durch den reichlich vorhandenen Schnee kein Problem. Geschmolzen wird er mithilfe der auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern installierten thermischen Solarkollektoren, die vor allem aber auch der Wärmezufuhr dienen.

Für die Stromversorgung gibt es zudem eine Photovoltaikanlage von fast 100 Quadratmetern. Das Abwasser wird in einer Kleinkläranlage gereinigt und kann so anschließend abgeleitet oder aber für die Toilettenspülung verwendet werden. Von hundertprozentiger Autarkie kann allerdings nicht gesprochen werden. Denn das Gebäude ist ebenfalls mit einem Blockheizkraftwerk ausgestattet, welches mit Rapsöl und Diesel betrieben wird. Mit diesem soll das Refuge für Spitzenlasten gewappnet sein. Außerdem muss für die Küche regelmäßig Kochgas angeliefert werden.

Das aerodynamische Oval wird als ein Meisterwerk der Ingenieurs- und Holzbautechnologie bezeichnet. Die Realisierung erfolgte durch den Architekten Hervé Dessimoz und den Holzbauingenieur Thomas Büchi, beide Schweizer. Das Gebäude ist komplett aus Holz errichtet und lediglich mit Stahl ummantelt. Die benötigten 150 Tonnen Holz stammen zu 90 Prozent aus der Region, den Hochsavoyen. Die Baukosten des vom Club Alpin Francais in Auftrag gegebenen Gebäudes betrugen 6,5 Millionen Euro, wobei der größte Teil auf den Transport des Materials entfiel.

Die Transportkosten wären sicher noch um einiges höher gewesen, wäre nicht eine spezielle Holzleichtbautechnologie angewandt worden. So war es möglich, mit Kunstharz verleimte Holzelemente im Tal vorzufertigen und diese dann mit dem Hubschrauber an die Baustelle in luftiger Höhe zu fliegen. Aufgrund der maximalen Traglast des Helikopters durften die Segmente ein Gewicht von 500 Kilogramm nicht überschreiten. Die Installation der Segmente erfolgte nicht, wie in solchem Terrain üblich, mit Hilfe des Hubschraubers, sondern per Kran. Auch hier war eine spezielle Technologie erforderlich. Da immer mit kurzfristigen Wetterumschwüngen gerechnet werden musste, wurde ein Kran benötigt, der binnen fünf Minuten eingeklappt werden kann.

Um all dies zu bewerkstelligen, hatte die Planungsphase fünf Jahre in Anspruch genommen. Da jeweils nur über fünf bis sechs Sommermonate vor Ort gearbeitet werden konnte, war auch die Bauzeit lang. Der Baubeginn war im Sommer 2010, die Fertigstellung im vergangenen August. Die offizielle Eröffnung und Inbetriebnahme des Refuge du Goûter erfolgt erst zu Beginn der kommenden Saison. Diese startet im Juni 2013.

Inwieweit Befürworter und Kritiker die Nachhaltigkeit solcher hochalpinen Energieeffizienz-Bauten für gewährleistet erachten, lesen Sie ab dem 20. März 2013 in dem Artikel „Wie sieht die nachhaltige Berghütte aus?“.

Birte Moritz

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