Mit 12fach-Glas zum Passivhaus der Zukunft

Superwindow

Die wärmetechnische Sanierung von Häusern ist eines der Sorgen- und Stiefkinder der deutschen Energiewende. So beinhaltete die letzte Novelle der Energiesparverordnung lediglich eine geringfügige Verschärfung der Anforderungen für Neubauten, sonstige Optimierungsversuche versanden irgendwo zwischen Idee und Gesetzgebung, beispielsweise aufgrund des Widerstandes einzelner Bundesländer. Dass die Forschung und Entwicklung in der Königsklasse der Wohneffizienz – dem Passivhaus – trotzdem verheißungsvolle Innovationen entwickelt, zeigen beispielsweise sogenannte Superwindows, die zwei polnische Naturwissenschaftler entwickelt haben.

Fenster sind bisher im Passivhausbau potentielle Problemstellen, da dort besonders viel Wärme nach Außen oder Innen gelangen kann. Aktuell ist ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von maximal 0,8 möglich, der durch die dreifache Verglasung von Fenstern erreicht wird. Eine solche Mehrfachverglasung schränkt die Luftzirkulation zwar enorm ein und bringt daher mit jeder zusätzlichen Schicht einen besseren U-Wert, aber mit jeder Scheibe wird das Fensterglas immer schwerer und schwerer. Das wiederum bedingt spätestens bei Vier- oder Fünffachverglasungen gravierende Probleme mit der Statik, da deutlich strapazierfähigere Fensterrahmen benötigt werden.

Mariusz Paszkowski und Antoni Kostka haben sich dieses Problems angenommen und einen Prototyp für eine Art Superfenster entwickelt, das insgesamt eine Zwölffachverglasung vorweisen kann. Möglich wird das durch eine ganz besondere Bauweise: Während für die Außen- und die Innenseite des Superwindows je eine „normale“ Glasscheibe verwendet wird, befinden sich dazwischen zehn Glasfolien, die so dünn sind, dass sie sich sogar rollen lassen. Hergestellt werden die superdünnen Glasschichten aus Polykarbonaten und PET allesamt in China, der Entwicklungsprozess ist derzeit noch sehr kompliziert. Trotzdem ist Miterfinder Kostka zuversichtlich, dass sich die Superwindows vom Prototyp-Status bald zur Serienreife weiterentwickeln lassen und auch finanziell erschwinglich sein werden.

Für den Bau von Passivhäusern könnten sie eine wahre Revolution bedeuten, denn mit einer derartigen Zwölffachverglasung soll ein U-Wert von 0,15 möglich sein. Durch die spezielle Verarbeitung der inneren Glasschichten sind auch Gewichtsprobleme Vergangenheit, denn die dünnen Glasfolien sind superleicht und ermöglichen nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten beim Bau von Passivhäusern. Der Wiener Architekt, Energieberater und Bauphysiker Winfried Schuh bringt das Potential der Superwindows im Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard folgendermaßen auf den Punkt: „Wenn das funktioniert, dann wird alles neu gemischt. Dann kann man ein Passivhaus auch am Pol bauen.“

Matthias Schaffer

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