Leuchtende Wände und aufrollbare Displays

OLED

Die gute alte Glühbirne verschwendet haufenweise Energie als Abwärme, Energiesparlampen sind hochgiftiger Sondermüll und ohnehin nicht gerade beliebt. LED-Lampen sind zwar energieeffizient, aber noch immer relativ teuer und können außerdem nur in eine Richtung strahlen. Glaubt man jedoch Prof. Karl Leo vom Fraunhofer-Institut für photonische Mikrosysteme (IPMS) könnte schon in etwa sechs Jahren eine Beleuchtungstechnik marktreif sein, die einer Revolution gleicht: Organische Leuchtdioden (OLEDs) sind bei immenser Lichtausbeute sehr energieeffizient, sie können Licht flächig abstrahlen und außerdem direkt auf biegsame und flexible Materialien aufgebracht werden.

Als Ausgangsstoff für die innovativen Lichtquellen dienen den Dresdner Forschern kurzkettige Kohlenstoffmoleküle in Pulverform. Diese werden in einzelnen Schichten übereinander gestapelt und – in Form eines nur wenigen Nanometer dünnen Films – auf Glas, Metall- oder Plastikfolie aufgetragen. Zum Schutz vor Staub, Wasser und Luft wird das aufgetragene Pulver noch mit einem Deckel verkapselt und fertig ist eine organische Leuchtdiode. Werden solche OLEDs nun an Strom angeschlossen, wandern Elektronen durch den Halbleiter und deren Energie wird als Licht abgegeben.

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten Leo und seine Kollegen in Dresden bereits an OLEDs und sind dabei äußerst erfolgreich, wie zahllose Rekorde bei Lebensdauer und Lichtausbeute sowie internationale Preise belegen. Das Hauptproblem der Technik ist laut Prof. Leo längst nicht mehr die Technik, sondern der stolze Preis: „Eine kleine OLED-Kachel kostet derzeit etwa 100 Euro. Längerfristig wollen wir einen Preis von 50 Euro pro Quadratmeter erzielen.“ Um dies zu erreichen sollen die Dresdner Pilotanlagen im nächsten Schritt in stabile Massenproduktionsanlagen umgewandelt werden.

Sollten OLEDs tatsächlich den Markt erobern können, werden sich zukünftig völlig neue Möglichkeiten für Designer und Architekten ergeben. So könnten mit organischen Leuchtdioden bestückte Tapeten oder Fenster Licht ins Dunkel bringen und von der Decke hängende Lampen vielleicht bald der Vergangenheit angehören. Auch für biegsame Computerbildschirme und elektronisches Papier könnten OLEDs irgendwann eingesetzt werden und sogar OLED- Stromquellen sind denkbar. Am IPMS hat sich eine eigene Arbeitsgruppe genau darauf spezialisiert und arbeitet daran mit einer organischen Solarzelle Strom aus Licht zu gewinnen.

Matthias Schaffer

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