Heizen mit Servern

Mit der Wärme ist es so eine Sache: am einen Ort gibt es zu wenig, am anderen gibt es zu viel; hier wird geheizt, dort gekühlt. Jeweils werden mitunter hohe Energiemengen aufgewendet und große Summen ausgegeben. Doch aus diesem Widerspruch ergeben sich auch große Potenziale: in der Industrie, im Handel, aber auch im Dienstleistungsbereich.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Heizen mit Servern, die ansonsten gekühlt werden müssten – die Firma AoTerra macht’s vor und setzt dabei auf eine dezentrale Lösung.

AoHeat und AoCloud
Das Unternehmen bietet für Privat- und Firmengebäude die zwei Komponenten AoHeat und AoCloud an. AoHeat ist dabei Heizung und Serverschrank zugleich. Mit der Abwärme der eingebauten Server werden Gebäude mit Heizenergie und Warmwasser versorgt. Gleichzeitig wird mit den Servern über das Internet ein dezentrales Rechenzentrum aufgebaut – die Basis für AoCloud.

So wird die eingesetzte Energie zum Heizen und Rechnen eingesetzt – die Wärme der Rechner wird nicht energieaufwendig weggekühlt und an die Umwelt abgegeben sondern geschickt genutzt. Der Serverbetrieb wird rund um die Uhr durch AoTerra überwacht – Fehler werden so schnell entdeckt und die Heizleistung durch das Anschalten eines anderen Servers abgedeckt. Ein Pufferspeicher gibt zusätzliche Versorgungssicherheit.

Vorteile

Laut AoTerra wird durch das System ein Wirkungsgrad von nahezu 100 Prozent erzielt. Zudem wird für den Betrieb der Geräte reiner Ökostrom verwendet.

Das ökologische Potenzial zeigt AoTerra mit einer Beispielrechnung: So können laut der Firma in einem Gebäude mit 150 Quadratmetern (nach EnEV-Standard 2009) gegenüber einem „herkömmlichen Heizsystem“ sechs Tonnen CO2 gespart werden. Zum Vergleich: Ein Einwohner in Deutschland verursacht durchschnittlich 9,4 Tonnen CO2 insgesamt im Jahr. Ein weiterer Bonus: AoCloud ist lokal – dadurch erfolgt die Datenspeicherung nach deutscher Gesetzgebung.

Ein weltumspannendes Netz
Aber was passiert mit der Wärme im Sommer? Auch hierfür hat das Unternehmen eine Lösung – und zeigt sein Konzept schon in der Namensgebung: „Ao“ ist māorisch für „Wolke“ oder auch „Cloud“. Das Māorische wurde dabei nicht zufällig gewählt, denn Neuseeland, wo Māori gesprochen wird, liegt von Deutschland aus gesehen am anderen Ende der Welt. „Wir planen ein weltumspannendes Netz von Servern, so können Winter und Sommer besser ausgeglichen werden“, so Dr. Jens Struckmeier, einer der Köpfe von AoTerra.

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Ganz grundsätzlich liegt der Fokus beim Betrieb auf der Bereitstellung der benötigten Wärmemenge in den Gebäuden. Die Server werden abhängig vom Wärmebedarf vor Ort zu- oder abgeschaltet. Je mehr Anlagen es gibt und je weiter diese (klimatisch) verteilt sind, desto besser funktioniert das Prinzip. Bis es soweit ist, findet der Ausgleich bereits innerhalb Deutschlands statt, kombiniert mit der Kühlung über den Rückluftstrom der Lüftungsanlage eines Gebäudes. Zudem bietet die Firma im Sommer weniger kurzfristige Serverkapazitäten an, um die Serverleistung spontan reduzieren zu können. Und das Trinkwasser muss natürlich auch dann noch erwärmt werden, wenn die Heizung im Sommer abgeschaltet ist.

Fazit
Das Konzept, Server anstatt zu kühlen, als Heizung zu verwenden, erhöht die Energieeffizienz enorm und hat zudem ein großes Kostensenkungspotenzial. Der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoß werden deutlich gesenkt. Durch die Verteilung der Anlagen über mehrere Klimazonen kann auch das bei vielen erneuerbaren Heizungsvarianten vorhandene Problem des Wärmeüberschusses im Sommer geschickt angegangen werden.

Alles in allem ein schönes Beispiel für effiziente Energienutzung.

Nadine Wahl

1 Kommentar

  • Prinzipiell keine schlechte Idee! Nur wenn die Daten nicht mehr auf meinem Server gerechnet werden, sondern am anderen Ende der Welt, ist nur für den „Transport“ der Daten eine Menge zusätzlicher Rechenleistung notwendig, was die Energiebilanz dann wohl nicht mehr so toll aussehen lässt…