Frankreich baut energieeffizient

In Frankreich sollen künftig pro Jahr eine Million Wohnungen dazu kommen, die der neuen Wärmeverordnung entsprechen. Die Erneuerbaren sollen hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Neubauten und Renovierung im Altbestand werden je zur Hälfte an dem Plan beteiligt sein, der seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt. Gegenüber der Vorgängerverordnung reduziert sich der maximal zulässige Energieverbrauch von Gebäuden laut der neuen Regelung auf ein Drittel.

Bioklimatische Erfordernisse

Der französische Gesetzgeber reagiert mit der Verschärfung auf EU-Vorgaben zur Reduzierung des CO2­-Ausstoßes und arbeitet gleichzeitig auf eine Verringerung des Defizites in der Energiebilanz, das auch die Handelsbilanz des Landes negativ beeinflusst. Die neuen Regelungen betreffen verschiedene Bereiche der Bauausführung.

Drei Grundprinzipien bestimmen die Regelungen der Wärmeverordnung. Sie finden sich in drei Indexzahlen wieder, deren Grenz­- beziehungsweise Referenzwerte jeweils nicht überschritten werden dürfen. Dies ist zum ersten ein Messwert für die Einhaltung bioklimatischer Erfordernisse. Dabei werden Eigenschaften wie die Orientierung des Gebäudes in der Landschaft, die Lage von Fenstern und die Bepflanzung sowie Aspekte der Materialwahl beachtet. Modifizierend auf den maximal zulässigen Wert wirken sich die Region, in der das Gebäude liegt, die Höhenlage über dem Meeresspiegel und die durchschnittliche Größe der Wohneinheiten in den Gebäuden aus.

Energieverbrauch und Innentemperatur

Der zweite Indikator misst den Verbrauch von Primärenergie durch die Heizung, die Klimatisierung, die Beleuchtung, die Warmwasserbereitung sowie weiterer fest installierter Verbraucher wie Pumpen und Ventilatoren. Hierfür gilt allgemein der Grenzwert von 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr. Allerdings wird auch dieser Messwert differenziert nach Region, Höhe über dem Meer, Fläche der Wohneinheiten sowie nach Koeffizienten für den CO2­-Ausstoß der Heizung und Kühlung je nach der verwendeten Technik.

Der dritte Messwert gilt der Innentemperatur der Gebäude. Diese darf in einer Periode von fünf sehr heißen Sommertagen einen festgelegten Maximalwert nicht überschreiten, ohne dass eine Klimaanlage eingesetzt wird. Diese Forderung zielt beispielsweise auf entsprechende Wärmeisolierung, auf die Montage von Sonnenschutz und die Ausrichtung von Fenstern.

Integration erneuerbarer Energien

Neben der Einhaltung der drei Indikatoren stellt die Wärmeverordnung weitere Anforderungen an die Bauausführung und die Ausstattung neuer Gebäude. Zur stärkeren Sensibilisierung der Bewohner sollen neue Wohnungen und Häuser mit Systemen ausgestattet werden, die den Energieverbrauch messen und darstellen.

Besonderes Augenmerk legt die Verordnung auf die Integration von Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien. Deren Beitrag zur Gesamtbilanz soll mindestens fünf Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr betragen. Dies kann etwa durch solarthermische Wasserheizer, Wärmepumpen oder auch durch den Anschluss an ein Fernwärmenetz erfolgen, das mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Diese Regelungen gelten allerdings nur für Einfamilien-­ und Doppelhäuser.

Eine Vielzahl finanzieller Hilfen soll eine energetische Gebäudesanierung erleichtern. Die Umweltagentur Ademe hält hierzu detaillierte Informationen für Bauherren bereit, in denen die einzelnen Bedingungen und Fördermöglichkeiten erläutert werden. Im Wesentlichen bestehen die Unterstützungen in Steuervergünstigungen durch Absetzbarkeit oder Mehrwertsteuererlass sowie aus zinslosen Darlehen für die Durchführung bestimmter Maßnahmen.

Daniel Seemann

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