Drei Schritte, wie die Energiewende im Gebäudesektor gelingen kann

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Energiewende im Gebäudesektor
Energiewende im Gebäudesektor

Die Energieeffizienz spielt beim Klimaschutz eine entscheidende Rolle. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der deutschen Energiewende. Hierbei erhält eine Reduktion des Verbrauchs eine große Bedeutung. Wie kann die Energiewende im Gebäudesektor gelingen?

Einerseits steht eine fast unendliche Liste an Förderprogrammen sowie Marktmechanismen wie die Einspeisevergütung und das Kraft-Wärmekopplungs-Gesetz bereit. Andererseits kann die Ausschöpfung der Förderungen im Bereich der Energieeffizienz/erneuerbarer Energien nicht in allen Bereichen zufriedenstellend sein. So ist es beim Marktanreizprogramm (MAP) im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder zu einer Erhöhung des ausgezahlten Fördervolumens gekommen – jedoch liegt die ausgezahlte Summe der Förderungen noch immer deutlich unter den im Zeitraum 2006-2010 ausgeschütteten Förderungen.

Fast alle Förderprogramme der KfW im Bereich Energieeffizienz registrieren 2017 einen Anstieg zum Vorjahr. Trotzdem liegt die Sanierungsrate im Wohngebäudebestand (ausgenommen Heizungsanlagen) lediglich bei etwa einem Prozent– weit entfernt von einer von der Bundesregierung angestrebten Verdoppelung.

Doch weshalb ist die Ausschöpfung oftmals nicht so hoch, wie sie sein könnte und müsste? Und wie könnte sich das ändern? Hier kommt die Antwort. Ich habe folgende Aspekte untersucht, wie die Energiewende im Gebäudesektor gelingen kann:

1. Signifikante Erhöhung der Fördersummen in den Förderprogrammen

Eine Erhöhung der Fördersummen kann ohne Zweifel zu einer erhöhten Nachfrage führen und dadurch Maßnahmen zur Energieeffizienz und den Einbau erneuerbarer Energie fördern.

So stieg der Anteil der Wärmepumpe im 1. Quartal 2016 stark an (14% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), nachdem z.B. auch besonders effiziente Wärmepumpen für den Neubau förderfähig wurden.

Zum gleichen Zeitraum stieg auch der Förderbetrag um etwa 20% an, den das Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) möglich machte. Hier gibt es natürliche Grenzen und dieses Beispiel zeigt, dass eine 20% Erhöhung und Ausweitung der förderfähigen Projekte (Neubau) nicht auch zu 20% mehr Absatz führt.

Damit wird deutlich, dass eine Erhöhung der Energieförderung nicht in eine gleichsame Erhöhung der Sanierungsquote mündet und damit nicht die alleinige Lösung sein kann.

2. Striktere Regulierung bei Sanierungen und Neubauten

Der nächste Punkt der Untersuchung ist die striktere Regulierung bei Sanierungen und Neubauten hinsichtlich der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbare Energietechnologien. Erstens gibt es hier ordnungspolitische und juristische Hürden. So hat etwa das Verwaltungsgericht Gießen der Entscheidung der Stadt Marburg, Photovoltaik zum Pflichtbestandteil von Neubauten zu machen, einen Riegel vorgeschoben, ein ähnliches Gesetz ist in einigen Kommunen in Kalifornien (z.B. in San Francisco) und in Florida in Kraft.

Es ist also schwieriger als man vielleicht denken mag, Energieeffizienz auf dem legislativen Wege zu verfügen. Zweitens werden dann einfach weniger „umfangreiche“ Sanierungen vorgenommen, um der Regulierung zu entgehen. Obwohl dies im Neubau nicht möglich ist, geht es dort im Vergleich zum Bestand nur um eine geringfügige Zahl an Gebäuden in Deutschland.

3. Transparenz und Bedienbarkeit

Zu alledem sind psychologische Hürden zu nennen. So haben Wirtschaftspsychologen eine Art ökonomische „Kurzsichtigkeit“ Seitens der Verbraucher diagnostiziert, die dazu führt, dass diese kurzfristig hohe Ausgaben meiden oder hinauszögern, selbst wenn diese langfristig in ihrem Interesse wären. Bisweilen sind die Hürden auch ganz praktischer Art: Eine Studie von 2008 demonstriert, dass Hausbesitzer eine kosten- und energiesparende Dämmung des Dachbodens meiden, wenn dieser vorher aufgeräumt werden müsste. Außerdem hat eine Studie des britischen Ministeriums für Energie und Klimawandel zeigte, dass Hauseigner mehr Geld in eine Dämmung investieren, wenn man ihnen eine Entrümpelung des Dachstocks spendiert. Gleichwohl dies eine Erkenntnis ist, erscheint dieser Ansatz in punkto einer Erhöhung der Energieeffizienz wenig skalierbar.

Wir brauchen also etwas, das die Komplexität der Förderprogramme minimiert, Regulierung annimmt und psychologische Hürden abbaut.

Der letzte Punkt betrifft die Komplexität der Förderungen und Beihilfen. Es handelt sich hier um einen veritablen Dschungel. Ob Heizungsoptimierung, Elektromobilität oder energetische Sanierung, der Förderung effizienter Neubauten oder dem Einbau einer Lüftungsanlage – Bandbreite und Volumen der Förderungen ist durchaus beeindruckend. Laien verlieren bei all den Möglichkeiten schnell den Überblick und damit oft die Motivation, sich um Förderungen zu bemühen, die ihnen nicht nur Geld sparen, sondern eben auch die Energieeffizienz erhöhen und den CO2-Ausstoß senken würden.

Auch hier entstehen also psychologische und monetäre Barrieren, die einer besseren Ausschöpfung der Förderungen entgegenstehen. Und nicht nur für Laien handelt es sich hier um unübersichtliches Terrain. Energieberater müssen oftmals viel Zeit aufwenden, um die für den konkreten Fall optimale Förderung oder sogar Kombination von Förderungen zu finden. Flexibel und zeitig auf Änderungen der Kundenwünsche zu reagieren, funktioniert so nicht optimal.

Energiewende im Gebäudesektor – Fazit

Nun gibt es – wie oben beschrieben – Ansätze, die ersten drei genannten Probleme zu mildern. Doch nicht alle erscheinen dazu angetan, eine signifikante Verbesserung energetischer Effizienz zu erreichen.

Was jedoch den letzten Punkt betrifft, also die Unübersichtlichkeit und Komplexität des Förderangebots per se, liegt die Lösung doch eigentlich auf der Hand: eine Vereinfachung des Prozesses, eine Vereinfachung der Darstellung relevanter Fördersummen.

 

Ein Gastbeitrag von Jens Martin, CEO  des Start-Ups Vidja und ehemaliger Head of Technology Policy Customer Solutions DE.