Der Rebound-Effekt – verkanntes Energieproblem

Auto und Flugzeug

Mit der Optimierung von elektrischen Geräten und Fertigungsprozessen soll die Energieeffizienz verbessert und dadurch der CO2-Ausstoß verringert werden. Doch oftmals werden diese vermeintlichen Energieeinsparungen nicht oder nur teilweise verwirklicht. Bekannt ist diese Tatsache als Rebound-Effekt, also Rückkopplungseffekt, durch den Energiegewinne nicht realisiert, sondern vielmehr verschenkt werden. Die Ursache findet sich in einer verstärkten Nachfrage der entsprechenden Energiedienstleistungen, wie Wärme, Licht oder Mobilität, auf Verbraucher- aber auch Produktionsebene.

Ein gutes, wohl jedem bekannten Beispiel bietet hierbei die Nutzung von künstlichem Licht: Zwar konnte die Effizienz von Glühbirnen und vor allem LED enorm gesteigert werden, doch damit einhergehend steigt auch deren Einsatz zu Hause, zur Beleuchtung von Schaufenstern oder ganzen Passagen.

In der Industrie werden die Folgen des Rebound-Effekts noch deutlicher: Kann ein Unternehmen Kosten durch eine gesteigerte Energieeffizienz einsparen, sinken folglich die Herstellungskosten, was zu einer Ausweitung der Produktion und damit wiederum zu einem höheren Energiebedarf führt. Neben diesen direkten Rebound-Effekten, nach ihrem Entdecker auch als Jevon-Paradoxon bezeichnet, wirken sich zudem die indirekten Rebound-Effekte auf den Energieverbrauch aus. So steht dem Verbraucher beispielsweise augfrund eines benzinsparendes Auto mehr Geld zur Verfügung, das er wiederum in eine Flugreise investiert. Dieses Verhalten verbrauchen wiederum Energie, schädigen das Klima und verringern die eigentlichen Einsparpotentiale.

Die Rückkopplungseffekte sind jedoch schwer messbar. In manch einer Studie werden sie sogar völlig vernachlässigt, wie im britischen „Stern-Report“ 2006, weil der Anteil der Energiekosten an den Gesamtproduktionskosten angeblich gering sei. Auch das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) führt 2007 lediglich an, dass die Meinungen über die Größe des Effekts stark auseinandergehen.

Doch es gibt auch Studien, die einen sehr hohen Rebound-Effekt konstatieren. So wiesen britische Wissenschaftler 2009 darauf hin, dass weltweit die Effizienzmaßnahmen bis zum Jahr 2030 durch direkten Rebound um zehn Prozent verringert werden. Alle Rebound-Effekte zusammengenommen führen dazu, dass bis 2020 weltweit fast ein Drittel der Einsparpotenziale „aufgefressen“ werden – bis 2030 sogar mehr als die Hälfte. Andere Ökonomen gehen sogar von noch höheren Werten aus.

Doch stören sich Wirtschaft und Politik kaum an diesem Problem, bedeutet es doch eine Steigerung der Gewinne. So wird weiterhin auf die Entwicklung neuer Technologien gesetzt, anstatt das Energieangebot zu verringern, um den CO2-Ausstoß zu senken. Doch mit der neuen EU-Energieeffizienz-Richtlinie sollen Energieunternehmen dazu verpflichtet werden, jedes Jahr 1,5 Prozent weniger Energie bereitzustellen. Ein erster Schritt zu langanhaltender Energieeffizienz?

Luisa Egenlauf

Add comment