Das Paradox mit den Umwelttrends

Dampflock

Paradoxien gibt es viele. Einige kennt man, wie das mathematische Paradox über Achilles und die Schildkröte des griechischen Philosophen Zenon. Einige sind weniger bekannt, wie das Paradox des englischen Ökonoms William Stanley Jevons. Er beschrieb den Rebound-Effekt am Beispiel des Brennstoffs Kohle. Der als Jevons-Paradoxon bekannte Effekt besagt, dass die effiziente Nutzung eines Brennstoffs nicht automatisch einen geringeren Verbrauch desselben mit sich bringt, sondern das genaue Gegenteil der Fall ist – die Effizienzsteigerung führt zu einem erhöhten Verbrauch, die Ressourceneffizienz frisst sich also selber wieder auf!

Des Übels Wurzel

Wohl nur ein Zufall, dass Jevons ausgerechnet die Kohle aufgriff, als James Watt die Dampfmaschine einführte, um sein Paradox zu beschreiben. Obschon ein recht treffender Zufall, denn eigentlich, so scheint es, ist die Kohle des Übels Wurzel und indirekt an „unserem“ heutigen Desaster Klimawandel Schuld. Dank Watts Dampfmaschine konnte Kohle damals deutlich sparsamer eingesetzt werden. Doch gerade weil die neue Maschine Kohle sparte, verbreitete sie sich auch schnell. Immerhin wollte jeder sparen, was aber wiederum zu einem höheren Kohleverbraucht führte – echt paradox!

Noch heute gültig

Problematisch nur, dass Jevons Paradoxon keineswegs zum alten Eisen gehört, obwohl es aus dem Jahre 1865 stammt. Bis heute leben wir im übertragenen Sinn mit der „kohlebefeuerten Dampfmaschine“ und immer wieder werden neue, effizientere „Dampfmaschinen“ erfunden, die eigentlich die Auswirkungen, die die Industrialisierung mit sich bringt, etwa den Klimawandel, lindern sollten. Eine echte Herkulesaufgabe für die modernen “Dampfmaschinen“, denn der boomende Umwelttrend ist genau betrachtet nur ein weiteres Paradoxon.

Oft wird die Natur durch neue, umweltfreundliche und effiziente Trends nämlich noch mehr geschädigt als vorher. Zum Beispiel dann, wenn Pflanzen dort als Treibstoffe angebaut werden, wo andere Pflanzen zur Nahrungsmittelgewinnung gedeihen und Menschen vor dem Verhungern bewahren könnten. Oder wenn von Energieeffizienz und Einsparpotenzial die Rede ist, denn der Nutzen hieraus wird durch den Mehrkonsum schnell wieder zunichte gemacht.

Richtige Technik falsch genutzt

Das liegt daran, dass mit der richtigen Technik falsch umgegangen wird: Mit dem „günstigen“ Licht durch den Einsatz von Energiesparlampen wird nicht mehr so sorgfältig umgegangen, die Solarleuchte kommt dort zum Einsatz, wo Licht eigentlich gar nicht benötigt wird oder das verbrauchsarme Kfz wird öfter genutzt als notwendig. Weil alles so günstig ist, vergessen wird bei all dem Effizienzgerede völlig, dass auch die Solarleuchte bei der Herstellung viel Energie verbraucht hat und dass energieeffiziente Maßnahmen zwar Geld sparen, aber das gesparte Geld auf der anderen Seite wieder für andere Dinge ausgegeben wird, die ebenfalls wieder Ressourcen verbrauchen – manchmal sogar noch mehr, als zuvor eingespart wurden.

Umwelttrends richtig nutzen

Wer nun meint, es sei ohnehin alles eine Fehlentwicklung und somit auch egal, wie viel, wie schnell und wie oft was verbraucht wird, der täuscht sich. Die Innovationen und technischen Neuerungen sind richtig und haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Allerdings darf mit ihnen nicht achtlos umgegangen werden. Das Neue darf nicht „verschleudert“ werden, auch, wenn es günstiger, effizienter und sparsamer ist als das Alte. Wir müssen Umwelttrends richtig Anwenden, damit die effizientere Technik auch eine Chance hat, wirklich effizient zu sein und sich nicht in ein Jevon Paradoxon umwandelt.

Judith Schomaker

1 Kommentar

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.