1,1 Milliarden Menschen ohne Kühlsysteme

Klimaanlagen an einem Wohnhaus in Kairo, Ägypten
Klimaanlagen an einem Wohnhaus in Kairo, Ägypten

Über eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Klimaanlagen und Kühlsystemen. Lebensmittel und Medizin können nicht gekühlt werden. Mit den steigenden Temperaturen, die der Klimawandel zwangsläufig mit sich bringt, wird diese Zahl weiter steigen. Eine nachhaltige Lösung ist nicht in Sicht. Mehr Kühlsysteme bedeuten auch mehr Energieverbrauch. Und das ist weiterhin mit Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen verbunden.

Energieverbrauch durch Kühlschränke, Lüftungen, Ventilatoren, Klimaanlagen und andere Kühlsysteme wird in Zukunft mehr zum Mensch-gemachten Klimawandel beitragen. Solange, bis die Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien gespeist werden kann und nicht mehr hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen kommt. Nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt. Das bestätigt nun auch ein neuer Bericht von Sustainable Energy for All, einer Non-Profit-Organisation, die sich für das Erreichen von Nachhaltigkeitsziel 7 der Vereinten Nationen einsetzt.

Ungefähr 1,1 Milliarden Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika, 470 Millionen davon auf dem Land und 640 Millionen in den Slums umliegender Städte, unterliegen der Gefahr ständiger Überhitzung. Für die meisten Deutschen mag das wie ein Luxusproblem klingen. Wiederholt sich der aktuelle Sommer auch nächstes Jahr, werden jedoch auch bei uns mehr Menschen über die Anschaffung einer Klimaanlage nachdenken.

Die Effizienz der Kühlsysteme ist der Schlüssel

Im Zusammenhang mit dem Klima wird auch „Kühlung immer wichtiger“, meint Rachel Kyte, Sonderbeauftrage des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Nachhaltige Energien. Eine Studie von 52 Ländern eruierte Indien, China, Sudan, Mozambique, Pakistan, Nigeria, Brasilien, Indonesien und Bangladesch als die verwundbarsten Staaten.

„Wir müssen Kühlungsmöglichkeiten auf super-effizienten Wegen schaffen“, so Kyte weiter. Die Wirtschaft könnte hier entscheidend sein. Unternehmen werden einen großen Markt vorfinden, wenn sie es schaffen, günstige hocheffiziente Kühlsysteme zu entwickeln. Diese müssten besonders für die Bürger der Mittelklassen in tropischen Ländern erschwinglich sein.

Die Hitze tötet

Die WHO geht davon aus, dass die vom Klimawandel verursachte zusätzliche Hitzebelastung zwischen 2030 und 2050 weltweit bis zu 38 000 zusätzliche Tode verursachen wird. Bereits heute sind die Folgen deutlich sichtbar. Schon während der Hitzewelle im Mai sind in Karatschi in Pakistan 60 Menschen an den Folgen von Temperaturen von über 40 Grad Celsius gestorben.

Und sogar in Japan sind während der nie-dagewesenen Hitze im Juli 65 Menschen gestorben sowie über 22 600 in Krankenhäuser eingeliefert worden. Die japanische Regierung erklärte die Hitze zu einer Naturkatastrophe.

Keine Strom, keine Kühlung

In vielen tropischen Regionen, insbesondere in abgelegenen Gebieten sowie in den Slums der Städte, gibt es keine stabile Versorgung mit Elektrizität. Es mangelt an Infrastruktur. In den verarmten Stadtteilen und Slums gehen oft mehrmals täglich die Lichter aus. Die Kliniken sind nicht in der Lage eine grundlegende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Einige Medikamente und Impfstoffe, die nur gekühlt haltbar sind, können nicht angemessen aufbewahrt werden.

Bauern, Fischer und Lebensmittelhändler können keine durchgehende Kühlkette aufrecht halten. Frischer Fisch wird innerhalb von Stunden schlecht, anstatt über Tage zu halten, wenn er Temperaturen um die 30 Grad ausgesetzt ist.

Die Probleme der mangelhaften Kühlmöglichkeiten wirken somit einerseits dramatisch auf die Lebensbedingungen der Menschen in betroffenen Regionen. Andererseits werden vorhandene Lösungsmöglichkeiten die Ursache der steigenden Temperaturen langfristig nur verschlimmern. Mehr Kühlsysteme bedeuten eben auch mehr Emissionen.

Quelle: Reuters