Zeit für Canabis

Der Fokus der industriellen Revolution gilt den nachwachsenden Rohstoffen. Schließlich genießen Sie gegenüber fossilen Energieträgern zahlreiche Vorzüge. Regenerative Rohstoffe wirken durch ihren Abbau, beziehungsweise ihre Förderung in der Regel nicht zerstörerisch auf Mensch und Natur, ihr Vorkommen ist nicht begrenzt, wie die der fossilen Rohstoffe und steht in diesem Sinne in nahezu unbegrenzter Form zur Verfügung.

Die Nutzung von Biomasse zählt zu den ältesten Formen der Energiegewinnung der Menschheit, schon unsere Vorfahren wärmten sich am prasselnden Holzfeuer. Auch heute spielt Holz bei der direkten Verbrennung von Biomasse eine wichtige Rolle, aber auch die Ganzpflanzenverbrennung, beispielsweise aus Energiegetreide oder schnell wachsenden Schilfarten leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung. Unter den Agrarrohstoffen stellt die Ganzpflanzenverbrennung eine der aussichtsreichsten Energielinien dar. Sie kommt mit hoher Rohstoffdichte und geringen Transportkosten vor allem im ländlichen Raum als CO2-arme und erzeugernahe Energiequelle in Frage. Schnellwachsende Hölzer wie Weiden oder Pappeln, aber auch Stroh in Form von Ballen oder Pellets werden als Energie liefernde Biomasse verwendet, wobei letztere dem stetigen Konflikt über die Nahrungsmittelethik unterliegen. Getreide zu verheizen scheint in heutigen Zeit rentabler zu sein, als der Anbau für die Nahrungsmittelindustrie. Energiegräser wie Switchgrass und Miscanthus sind stark im Kommen und stehen Fragen der Ethik nicht im Wege.

Auch Hanf erfährt seit Kurzem eine wahre Renaissance, allerdings nicht als altbekanntes „Haschisch“, sondern als überaus potente Energiepflanze. Die Canabis Sativa besticht durch ihre einzigartige Vielfältigkeit bei den Verwendungsmöglichkeiten ihrer Erträge – und die können sich durchaus sehen lassen. Im Vergleich zu Holz wächst auf 0,4 Hektar genau so viel Hanf wie Holz auf 1,66 Hektar. Zudem benötigt Hanf nur knapp 100 Tage, um eine Höhe von bis zu vier Metern zu erreichen, seine Wurzeln dringen dabei bis zu 160 Zentimeter in den Boden ein und lockern ihn dabei ideal für andere Nutzpflanzen auf. Pro Hektar fallen bei der Ernte zehn Tonnen Hanfstroh an, was einem Heizöl-Äquivalent von 4.000 Litern je Hektar entspricht. Hinzu kommt, dass Hanf durch spezielle Züchtungen auch an Regionen mit bodenspezifischen oder klimatischen Besonderheiten angepasst werden kann und sich somit für viele verschiedene Klimaregionen eignet. Angesichts der ökologischen Krise und den unendlichen Diskussionen um knapper werdende Ressourcen und Atomenergie eine Chance, über die man sich Gedanken machen sollte.

Judith Schomaker

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