Wie ökologische Risiken einer verstärkten Bioenergieproduktion verringert werden könnten

Maisfeld

Der verstärkte Anbau von Energiepflanzen zur Produktion von Bioenergie ist selbst unter Experten ein umstrittenes Thema. Ein neu entwickeltes Computermodell soll nun eine realistische Abschätzung möglicher Auswirkungen erleichtern und dabei helfen eventuelle Risiken für die Umwelt zu minimieren. Problematische Folgen hätte die Ausweitung von Bioenergie demnach hauptsächlich für die Biodiversität. Durch gezielte Maßnahmen, wie den vermehrten Schutz von naturnahen Flächen, könnten die negativen Effekte auf die Artenvielfalt allerdings deutlich abgeschwächt werden.

In ihrer Studie sehen die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) besonders großes Potential bei Brachen. Diese werden durch die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten und den Wegfall der EU-weiten Stilllegungsprämie im Jahr 2009 wieder vermehrt landwirtschaftlich genutzt. Um die Biodiversität zu erhalten, raten die Forscher aber dazu, diese wichtigen Naturflächen wenigstens teilweise auch in Zukunft nicht landwirtschaftlich zu bestellen.

Laut Prof. Karin Frank vom Department für Ökologische Systemanalyse des UFZ haben Brachen nämlich nicht nur einen hohen Wert für den Natur- und Klimaschutz, sondern können auch helfen, ungewollte Nebenwirkungen der Ausweitung von Bioenergie abzufedern und so externe Kosten zu vermeiden. Neben den ökologischen Aspekten liefern die Modellanalysen der Wissenschaftler somit auch handfeste finanzielle Argumente für den Erhalt naturnaher Flächen. Das sollte laut Prof. Frank unbedingt auch „in der aktuellen Debatte um Konzepte für eine Green Economy sowie die Neuregelung der EU-Agrarpolitik berücksichtigt werden“. Für diese empfehlen die Forscher daher die Schaffung möglichst vieler Anreize zum Erhalt oder zur Errichtung ökologischer Vorrangflächen, wie eben Brachen.

Prof. Andreas Huth vom UFZ sieht die Ergebnisse der – in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Global Change Biology Bioenergy veröffentlichten – Studie als wichtigen „Beitrag zur Debatte um die ökologischen Auswirkungen einer verstärkten Bioenergieproduktion“. Der Wissenschaftler betont außerdem die Notwendigkeit, begleitende Naturschutzmaßnahmen nach Möglichkeit an regionale Gegebenheiten anzupassen. So sollten zukünftig bei der Abschätzung der Folgen eines vermehrten Energiepflanzenanbaus auch bestehende Unterschiede in den regionalen Landschaftstypen, beispielsweise die Durchschnittsgröße der Felder, berücksichtigt werden.

Matthias Schaffer

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.