Wie kommt die Zeitung in den Tank?

Altpapier Quelle: Wikipedia /Author: reworkes by Suhadi Sadono

Die Gewinnung von Bio-Kraftstoffen verursacht in der Regel hohen Druck, große Hitze und aggressive Giftstoffe, eine Herstellung, die energie-, zeit- und kostenintensiv ist. Ein hoher Energieaufwand ist auch nötig, um aus Cellulose Kraftstoff zu gewinnen. Das geschieht durch die Zerlegung der Cellulose in ihre Bruchstücke, unter anderem Zucker. Dieser Zucker lässt sich dann vergären, um Ethanol zu schaffen, mit dem Kraftfahrzeuge direkt oder mit Benzin vermischt angetrieben werden können. Alleine aus Altpapier ließen sich so jedes Jahr bis zu 83 Milliarden Liter Biosprit herstellen, auch Hausmüll enthält zahlreiche cellulosehaltige Inhaltsstoffe, aus denen der Biotreibstoff gewonnen werden könnte.

Butanol – eine günstige Alternative

Auf eine deutlich „grünere“ und günstigere Möglichkeit, um alte Zeitungen in den Tank zu bringen, sind jetzt Forscher der Tulane-Universität in New Orleans gestoßen. Der Bakterienstamm der Clostridien TU-103 kann durch Verstoffwechselung von Cellulose Butanol herstellen. Ein Treibstoff, der deutliche Vorteile gegenüber Ethanol genießt. Er kann direkt, ohne Modifikation des Motors, getankt werden, lässt sich durch bestehende Pipelines transportieren, enthält mehr Energie und weist außerdem ein geringeres Korrosionspotenzial als Ethanol auf. Und auch die fleißigen Bakterien der Forscher warten mit Vorteilen gegenüber anderen butanolproduzierenden Bakterien auf, denn sie kommen mit Sauerstoff gut zurecht. Die Zeit der aufwendigen sauerstofffreien Butanolproduktion scheint mit den TU-103 also vorbei zu sein, was die Produktionskosten von Bio-Butanol deutlich verringern würde.

Butanolherstellung lässt Müllberge schrumpfen

Momentan hoffen die Forscher, die auf ihren Herstellungsprozess bereits ein Patent angemeldet haben, darauf, die noch recht magere Ausbeute zu erhöhen. Für die Gewinnung von zwölf bis 23 Gramm Butanol brauchen sie derzeit rund 100 Gramm Zellulose. Diese könnte im Übrigen auch von anderen zellulosehaltigen Materialien stammen, wie etwa in pflanzlichen Abfällen. Wie viel Biosprit sich aus den immerhin 323 Millionen Tonnen nutzbaren Zelluloseabfalls, die alleine in den USA jedes Jahr zusammenkommen, gewinnen lässt, können die Forscher allerdings noch nicht genau beziffern. Dass sich eine Nutzung der Abfälle positiv auf den Umfang der Mülldeponien auswirkt bezweifeln sie jedoch nicht.

Judith Schomaker

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