Sonnenblumenkerne perfekt verwertet

Sonnenblume; Foto: Bigstock

Man begegnet ihr in der Vase, im Vogelfutter, als Brotzutat oder in Form von Öl – der Sonnenblume und ihren Kerne. Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler sorgt aber auch bei der Energiegewinnung und in der Biokunststoffproduktion für Aufsehen. Dass sich Sonnenblumen überaus effizient nutzten lassen, zeigt dabei Ulrich Wendeln anhand scheinbar unendlich vieler Anwendungsmöglichkeiten. Wendeln quetscht nämlich auch noch den letzten Rest aus der großen, gelben Blume heraus – und das nicht nur sprichwörtlich.

In der kleinen Gemeinde Ladbergen im Tecklenburger Land betreibt Ulrich Wendeln eine der modernsten Schälmühlen Europas. In der „Goldenen Mühle“ werden jede Menge Sonnenblumenkerne geschält – Reinheitsgehalt 99,97 Prozent, einmalig in Deutschland. Nachdem die geschälten Kerne vornehmlich an die Brotbackindustrie gehen, werden kleine Kerne und Bruch in der Mühle zu kaltgepresstem Sonnenblumenöl verarbeitet. Doch damit nicht genug, auch die Schalen der Kerne werden bei Wendeln sinnvoll verwertet. Sie werden zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt.

Im Energiepark „Goldene Energie“ werden die Schalen aus der Mühle erhitzt, wobei ein Pyrolysegas entsteht, das in den knapp 25 angeschlossenen Blockheizkraftwerken für die Strom- und Wärmegewinnung genutzt wird. Rund 60 Megawatt Wärme und 50 Megawatt Strom kommen so aus den „Abfällen“ zusammen und sichern, neben der Wärmegrundlast der eigenen Mühle, auch die des Flughafens Münster-Osnabrück, des Gewerbeparks und dem Ladberger Industriegebiet. 60.000 Tonnen CO2, die durch Wendelns intelligentes Energiekonzept jedes Jahr eingespart werden können.

Doch damit gibt sich der pfiffige Mittelständler noch nicht zufrieden. Künftig will er aus den Schalen, vielmehr aus dem Granulat der Reststoffe, Biokunststoff herstellen. Fruchten seine Verhandlungen mit der Kunststoffindustrie, könnten schon bald die Sonnenblumenkerne der „Goldenen Mühle“ in Ladbergen als Bänke, Tische und Stühle im Handel zu finden sein.

Judith Schomaker

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