Schwarzes Gold aus Gärreste von Biogasanlagen

Kohle

Kohle ist ein dunkles Sedimentgestein aus organischen Substanzen, Mineralien und Wasser, das durch Inkohlung, der Umwandlung von Pflanzenresten unter Druck, Wärme und Sauerstoffverarmung zu Kohle, entstanden ist. Kohle wird vorwiegend als fester Brennstoff genutzt, um Wärme und Strom zu erzeugen. Die Energieerzeugung aus dem vielgerühmten „schwarzen Gold“ ist jedoch alles andere, als umweltfreundlich, da bei der Verbrennung große Mengen an Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden und auch der Kohlenabbau seine Tribute fordert.

Hochwertige Kohle ist nichts anderes, als unter Luftabschluss, hohen Druck und Temperaturen über lange Zeit „gepresste“ Biomasse. Die Natur benötigt für diesen Prozess Jahrtausende bis Jahrmillionen. Bei Peter Wieczorek geht das innerhalb von nur sechs bis acht Stunden. Er nutzt das Verfahren der Hydrothermalen Carbonisierung, um Gärreste aus der Biogasanlage unter Druck und Hitze in Kohle und Wasser umzuwandeln.

Für den technisch-chemischen Prozess innerhalb seiner Versuchsanlage wird Biomasse zunächst zu einem torfähnlichen Stoff, dann zu Braunkohle und letztendlich zu hochwertiger Steinkohle. Hiermit schlägt er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die Biomasse, dessen Energie innerhalb der energetischen Nutzung nur zum Teil genutzt werden kann, wird durch den „doppelten“ Einsatz optimal ausgenutzt. Zunächst in der Biogasanlage und später als Kohle für Heizzwecke, als Dünger zur Bodenverbesserung, in Form von Filterkohle in der Industrie oder für die Reifen- oder Benzinherstellung.

Normalerweise werden die Gärreste von Biogasanlagen, ein Gemisch aus Wasser, Kohlenstoff, Stickstoff und weiteren Substanzen, wieder auf die Felder ausgebracht. Hierbei verdunstet ein großer Teil des darin enthaltenen Kohlenstoffs in die Atmosphäre, anstatt im Boden gebunden zu werden und den Humusanteil der Äcker zu fördern. Vier Fünftel des Kohlendioxids der Biomasse entweichen somit in die Luft und belasten das Klima.

Bei der Hydrothermalen Carbonisierung ist es gerade einmal ein Fünftel Kohlendioxid, das entweicht. Dabei funktioniert das Verfahren nicht nur mit Resten aus der Biogasanlage, sondern mit sämtlichen Arten von Biomasse. Ob Gartenabfall, Klärschlamm oder Weintrester, die Pilotanlage in Bad Königshofen zeigt schon seit mehr als 2.000 Betriebsstunden, dass das Verfahren funktioniert und zu einer Schlüsseltechnologie in der zukünftigen Energieversorgung avancieren könnte. Während die Pilotanlage nur wenige Kilogramm Biomasse zu Kohle umwandeln kann, soll jetzt eine große Demonstrationsanlage mit einem Verarbeitungsvolumen von mehreren Tausend Tonnen in Ostheim vor der Rhön zeigen, welches Potenzial in der Technologie steckt.

Judith Schomaker

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