Schlechte Klimabilanz für Biosprit

Foto: Shutterstock

Bislang wurden Biokraftstoffe als klima- und CO2-neutral eingestuft. Der neue Report der Europäischen Umweltagentur (EAA – European Environment Agency) entkräftet diese Annahme nun. Mehr noch! Aus dem am 15. September 2011 erschienene Papier geht vielmehr hervor, dass Biosprit den CO2-Anteil sogar erhöhen kann, die Intensive Landnutzung fördert, Wälder bedroht und den Welthunger verschärft.

Das Geschäft mit dem Agrosprit boomt. Ein ganzer Industriezweig profitiert vom „klimaneutralen“ Kraftstoff – Kraftstoffhersteller und Autobauer ebenso wie die Landwirte, denen hohe Preise für Biosprit aus Raps generiert werden. Die bisherigen Berechnungen, die der EU-Biokraftstoffpolitik zugrunde liegen, vergessen dabei jedoch, den so genannten ILUC-Factor (Indirect Land-Use Change) mit einzubeziehen. Der neue Report berücksichtigt hingegen auch diese indirekten Klimafolgen durch Verdrängungseffekte in der Landwirtschaft, die bislang nicht in die CO2-Bilanz eingerechnet wurden und rückt die Umweltfreundlichkeit von Biosprit in ein ganz anderes Licht.

Biosprit, dessen Großteil aus Biodiesel besteht, wird hauptsächlich aus Raps, Soja und Palmöl hergestellt. Seine Verwendung soll den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken, ein großer Schritt auf dem Weg, die Klimaziele der EU bis 2020 zu erfüllen. Bisher wurde angenommen, dass Biosprit vom Anbau bis zur Verbrennung im Automotor deutlich weniger CO2 erzeugt, als herkömmlicher Sprit. Eine um 35 Prozent niedrigere Belastung als bei normalem Benzin! Der ILUC Faktor wurde hierbei jedoch nicht berücksichtig, wird er mit einbezogen, wird der Biosprit nämlich zum wahren Umweltsünder. Zwar nehmen die Pflanzen, die zur Biospriterzeugung angebaut werden, aus der Atmosphäre CO2 auf und binden es. Während des Produktionsprozesses relativiert sich diese Einsparung jedoch ganz schnell wieder, denn vom Anbau bis zur Spritgewinnung wird wieder reichlich schädliches Klimagas freigesetzt. Hinzu kommt, dass die für den Biokraftstoffanbau nötigen Flächen wertvolle Wälder zerstören und Flächen für Lebensmittelpflanzen verdrängen.

Im neuen Report der EAA werden diese einzelnen Thematiken deutlich. Nicht nur die nötige Energie, um Biospritpflanzen zu erzeugen stößt hierbei sauer auf, schließlich brauchen Trecker und Co. selbst Diesel, um das Pflanzgut zu pflegen, auch der eingesetzte Dünger macht sich bei der Klimabilanz nicht gut. Zum einen wird bei der Erzeugung schon jede Menge Energie verbraucht, zum anderen gerät ein Teil des Stickstoffdüngers wieder in die Atmosphäre, dann allerdings als Lachgas, was dreihundert Mal so schädlich ist, wie CO2. Zu guter Letzt kommen dann noch die letzten Verarbeitungsschritte mit auf das Klimakonto. Von der Ernte bis zum Verarbeitungsprozedere wird noch mal Energie verbraucht, die bislang nicht in die Bilanz einfloss. Alles in Allem eine Klimabilanz, die nicht viel besser ist, als bei Rohöl!

Judith Schomaker

Add comment