Ökologisch leben leicht gemacht? Teil 2: Das fragwürdige Biobenzin E10

Biobenzin E10

Die Einführung des so genannten Biobenzins E10 sollte eigentlich ein Erfolg werden, so dachten sich das Bundesregierung, Autohersteller, Mineralölkonzerne und der ADAC. Schließlich war es zum einen „bio“, zum anderen besonders kostengünstig. Doch nicht nur von technischer Seite her gibt es seit der Einführung beträchtliche Bedenken.

Inzwischen sind die größten Gegner des E10 die Umweltverbände selbst. Hatten der Naturschutzband Deutschland (NABU) oder der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) noch vor wenigen Jahren die Einführung begrüßt, so fällt ihre Kritik heute umso harscher aus. In einer Studie neun großer europäischer Umweltverbände wurde ermittelt, dass Biosprit schädlicher für das Klima sei, als die fossilen Energien, die er ersetzen soll. Denn mit E10 steigt der Benzinverbrauch, da der Biosprit durch seinen hohen Wasseranteil weniger leistungsstark ist. So würden bei gleicher Fahrweise mit E10 pro Jahr etwa 450 Millionen Liter mehr Benzin benötigt werden.

Um nun den europäischen Bedarf an E10 zu decken, müssten 69.000 Quadratmeter Wald, Weiden und Feuchtgebiete zu Äckern umgewandelt werden, wobei artenreiche Flora und Fauna durch Bodenerosion, Eutrophierung und Belastung mit Pflanzenschutzmitteln zerstört würde, so das Umweltbundesamt. Berücksichtigt man diese Verdrängungseffekte, den landwirtschaftlichen Verlust und die klimatischen Auswirkungen, so hat das vermeintliche Biobenzin eine wesentlich schlechtere Ökobilanz als der herkömmliche Diesel.

Wie auch bei unserem Mülltrennungssystem (siehe Beitrag vom 4. September 2013), würde man nun eine Zurücknahme der Biokraftstoffquote erwarten. Doch die EU verspricht weiterhin hohe Subventionen: Liegt die durchschnittliche Hektarprämie eines Bauers bei 340 Euro, so steigt sein Umsatz beim Anbau von Biospritpflanzen und entsprechender Verarbeitung auf bis zu 3.000 Euro an, heißt es in einer Studie des World Wildlife Fund for Nature (WWF). Auf diese Weise gefährdet die hohe Biogasförderung die Landwirtschaft und damit die Getreidemittelversorgung. Denn wo Raps und Mais intensiv angebaut werden, haben es andere Feldfrüchte später schwer

Wenn die eigentliche Rechtfertigung für die Einführung von E10 – nämlich die Reduktion des CO2-Ausstoßes – also gar nicht greift, gibt es womöglich ganz andere Gründe dafür, dass die Politik an dem Kraftstoff festhält?

Luisa Egenlauf

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