Nachhaltige Lösungen für die Bioenergie

Die Bioenergie hat bisher maßgeblich zum Fortschritt der Energiewende in Deutschland beigetragen. Damit das aber auch zukünftig so bleibt, müssen Naturschutz und die Energiegewinnung aus Biomasse miteinander in Einklang gebracht werden.

Mit einem Anteil von rund 70 Prozent am Endenergie-Beitrag aller regenerativen Quellen stellt die Bioenergie derzeit die dominierende erneuerbare Energieform in Deutschland dar. Warum? Im Gegensatz zu Sonne oder Wind ist die Biomasse tages- und wetterunabhängig und damit rund um die Uhr verfügbar.

Doch auf Grund des rasanten Ausbaus und der Beschränkung auf wenige Ackerpflanzen, wie beispielsweise Mais oder Raps, wurden Flächen zur Nahrungsmittelerzeugung verdrängt. Die einseitige Bearbeitung fördert zudem Bodenerosion und die Verödung landwirtschaftlicher Gebiete. Allerdings stellen Biogasanlagen bereits etablierte Bausteine der Energiewende dar. Vor allem im Verkehrsbereich ist diese Art der Energiegewinnung nicht mehr wegzudenken, ist sie doch die einzige Alternative zum konventionellen Kraftstoff.

Doch um das Potential der Bioenergie auch zukünftig voll ausschöpfen zu können, ohne dabei der Umwelt und Natur zu schaden, bedarf es an Alternativen. Weitere Anbauoptionen, die sich damit beschäftigen, konnten inzwischen schon erfolgreich erprobt werden. Dem zu Folge kann der enorme Flächenverbrauch für den Anbau der Biomasse relativiert werden, wenn er gleichzeitig wichtige Klima- und Naturschutzfunktionen übernimmt. Damit dies gelingen kann, sind Alternativen zum bisher angepflanzten Mais notwendig, die darüber hinaus auch mehrjährig wachsen und zudem einen geringeren Produktionsaufwand beinhalten.

Eine erprobte Alternative ist hierbei das Kleegras. Dieses wird bereits im Ökolandbau kultiviert, um die Anforderungen an die Fruchtfolge einhalten zu können. Ökolandwirte nutzen das Kleegras nun zunehmend auch in ihren Biogasanlagen. Zwar ist Mais hinsichtlich des Methanertrags immer noch führend, doch berücksichtigt man dessen Betriebsmitteleinsatz, zum Beispiel für Düngemittel, so lohnt es sich, auf das Kleegras zurückzugreifen. Auch die Verwendung von Wildpflanzen bietet eine weitere Alternative, doch steht deren Erprobung in Biogasanlagen noch aus.

Aktuell bestehen in Deutschland rund 860 Biogasanlagen, die nach wie vor überwiegend mit Mais betrieben werden. Im Hinblick auf die Berücksichtigung von Nahrungsmittelflächen müssen zukünftig vorhandene Potentiale effektiver genutzt werden. Eine praktische und einfache Möglichkeit: Die Verwendung des Biomülls für die Herstellung von erneuerbarer Energie. Schließlich fallen jährlich über 600.000 Tonnen häuslicher Bioabfall sowie 900.000 Tonnen Garten- und Grünabfälle an. Damit ließe sich Strom und Wärme für 220.000 Einwohner erzeugen. Trotz des Reichtums an Bioabfall wird diese Ressource noch zu wenig genutzt, auch wenn sich mit dem Anbau von Mais für Bioenergieanlagen gutes Geld verdienen ließe. Um dem entgegenzusteuern, soll der Anteil des Biomülls zur Energiegewinnung von derzeit 42 Kilogramm auf 60 Kilogramm erhöht werden. Um das Potential nun zukünftig besser ausschöpfen zu können, entwickeln Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart (DLR) derzeit eine Brennkammer, die speziell auf Holzabfälle und Grünschnitt ausgerichtet ist. Durch das Prinzip der flammenlosen Oxidation kann hier der eigentlich geringe Heizwert des Bioabfalls erhöht werden.

Es zeigt sich: Alternative Anbaumöglichkeiten für die Bioenergiegewinnung zum Schutz der Natur sind vorhanden. Mit der richtigen Strategie und Technik können diese zukünftig verstärkt genutzt werden.

3 Bemerkungen

  • Neben alternativer Rohstoffe für die Biogasanlagen können auch Produkte im Anbau verwendet werden, die einerseits den Ertrag pro Flächeneinheit steigern, andererseits die Bodenqualität bei tendenziell sandigen Böden (Böden mit geringer Wasserspeicherfähigkeit) nachhaltig verbessern. Dies hat den zusätzlichen Effekt, dass weniger zusätzliche Beregenung durchgeführt werden muss und zu weiteren Kosteneinsparungen beim Landwirt und/oder dem Biogasanlagenbetreiber führt. Nicht zuletzt können durch die ökologisch unbedenklichen Zusatzstoffe auch Pflanzenschutzmittel und Dünger sofort an die Wurzel der Pflanze appliziert werden und somit zu weiteren positiven Umwelteffekten führen. Fazit, Mehr Ertrag pro Fläche, damit mehr Fläche für Nahrungsmittel und das alles ökonomisches interessant.

  • Die direkte Nutzung von Biomasse als Energieträger ist eine gewisse Fehlentwicklung, die demnächst korrigiert werden muß. Richtig ist die verstärkte Nutzung von Reststoffen statt frischer Biomasse.
    Hinzu kommt, daß über Biomasse auch Kohlenstoff im Boden fixiert werden kann (Biokohle, Terra Preta). Damit wird nicht nur fossiles Kohlendioxid kompensiert, sondern die Bodenfruchtbarkeit steigt. Die aufgeschlossenen Düngestoffe aus der Biogasanlagen, die leicht ins Grundwasser rutschen, werden fixiert und nach und nach an die Pflanzen abgegeben.
    Das setzt allerding voraus, daß man sich von dem Dogma loslöst, daß Biomasse in hohem Grade genutzt werden muß. Das wurde von der Politik so gelenkt, durch eine unsinnige Effizienzdiskussion (Flächenvergleiche mit Wind und Solar etwa)

  • Es gibt etliche Alternativen zum Mais als Futter für die Biogasanlage. Würde Strom aus Mais nicht über das EEG nicht gefördert werden, gäbe es die Vermaisung der Landschaft nicht; Biogasanlagen laufen auch mit Sida, Topinambur und vielen anderen Energiepflanzen!