Luftfahrtindustrie setzt auf Algen

Algen waren bereits in der Vergangenheit mehrfach als alternativer und umweltfreundlicher Rohstoff zur Gewinnung von Biotreibstoff im Gespräch. Laut einem kürzlich im Spiegel veröffentlichten Beitrag scheint die Airlinebranche nun tatsächlich Ernst zu machen und plant langfristig die Umstellung von Kerosin auf Algensprit.

Neben strenger werdenden Umweltschutzgesetzen, der geplanten Luftverkehrsabgabe und einem klimatechnisch schwer angeschlagenen Image dürfte die Luftfahrtindustrie damit wohl hauptsächlich auf die steigenden Ölpreise reagieren. Denn jedes Flugzeug, das mit Biosprit abhebt, macht sie unabhängiger von den Ölkonzernen und ihrer kaum zu kalkulierenden Preispolitik.

Aktuell liegt die Grenze für einen rentablen Einsatz von Biosprit laut dem Spitzenverband der Fluggesellschaften IATA bei einem Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel und somit recht hoch. Aber auch wenn die Herstellung von Biosprit momentan noch wesentlich teurer als die Ölförderung ist, könnte sich das mit der vermehrten Verwendung des Algen-Öls drastisch ändern. Denn je mehr davon hergestellt wird, umso günstiger wird auch der Biotreibstoff und da Treibstoff einer der größten Kostenverursacher im Flugverkehr ist, wittern die Airlines enormes Einsparungspotential.

Für Algen spricht außerdem, dass der Biosprit etwa zehn Prozent mehr Energie als Kerosin liefert und somit das Flugzeug mit derselben Treibstoffmenge eine weitere Strecke fliegen kann. Zusätzlich müssen die verwendeten Flugzeugtriebwerke für eine Umstellung nur sehr geringfügig modifiziert werden und den Airlines bleibt dadurch eine teure Komplett-Umrüstung erspart. Und so lange der neue Treibstoff noch nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht, kann er einfach in Teilmengen beigemischt werden, wie das beispielsweise die niederländische Fluggesellschaft KLM bereits 2009 erfolgreich testete.

Das größte Problem liegt allerdings tatsächlich in den fehlenden Ressourcen. Die Luftfahrtindustrie verbrennt momentan rund 200 Millionen Tonnen Kerosin pro Jahr und dagegen muten die (bisher hauptsächlich für die Kosmetikindustrie) jährlich produzierten 10.000 Tonnen Algen-Öl fast lächerlich an. Laut dem Spiegel-Bericht bräuchte man bei dem derzeitigen Technikstand somit Algenfarmen in der Größe von Irland, um Kerosin komplett durch Algensprit zu ersetzen.

Trotzdem gibt sich die Luftfahrtindustrie optimistisch und siegessicher. In einem Interview mit dem Standard sagt etwa Lufthansa-Vorstand Christoph Franz: „Es ist keine Frage mehr – Biotreibstoff wird Kerosin ersetzen“. Und im Spiegel prophezeit Airbus-Manager Christian Dumas: „Dieser Stoff wird die Spielregeln unserer Branche verändern“. Bis klimaneutraler Algensprit allerdings eine wirklich nennenswerte Rolle im internationalen Luftverkehr ausmacht, wird wohl noch einige Zeit vergehen. In einem Interview mit der Welt meint der Technik-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Jean J. Botti dazu: „Wenn zehn Prozent unserer Flotte im Jahre 2040 mit Biotreibstoffen flögen, wäre ich schon extrem glücklich.“

Aber auch wenn ein flächendeckender Einsatz von Algen-Biotreibstoff noch Zukunftsmusik ist, gab es im Juni auf der Berliner Internationalen Luftfahrtmesse ILA immerhin schon eine Weltpremiere zu bestaunen. Dort erhob sich nämlich zum ersten Mal ein mit zu 100 Prozent aus Algen hergestelltem Biosprit betriebenes Kleinflugzeug in die Lüfte. Ein weiterer kleiner Schritt in Richtung einer klimafreundlicheren Industrie…

Matthias Schaffer

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