Biokraftstoff aus Marktabfällen

In Deutschland wird zweifellos zu viel an Lebensmitteln weggeworfen, wie kürzlich erneut eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bestätigt hat. Demnach sind es jährlich 82 Kilogramm pro Person, die im Abfall landen – oftmals nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Doch darüber hinaus gibt es eben auch Lebensmittel, wie zum Beispiel Obst und Gemüse, die nicht mehr zum Verzehr angeboten werden können, da sie beim Transport oder der Lagerung Schaden genommen haben. Viel davon fällt in Großmärkten, aber auch in Kantinen an.

Wenn es nach den Forschern des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart geht, soll aus diesen Lebensmittelresten zukünftig Autokraftstoff gewonnen werden. Dazu wird bei der organischen Masse eine anaerobe Vergärung in Gang gesetzt. In einem zweistufigen Prozess entsteht dann innerhalb weniger Tage das Biogas Methan.

Einerseits sind Obst- und Gemüseabfälle für dieses Verfahren bestens geeignet, da sie sehr wasserhaltig sind. Andererseits besteht aber das Problem, dass die Zusammensetzung der Masse, und damit ihr pH-Wert, nie gleichbleibend ist. Dies ist aber notwendig, damit das Verfahren automatisiert laufen kann. Daher wird die Masse in verschiedenen Behältnissen gelagert, in denen jeweils automatisch der pH-Wert gemessen wird. Die passenden Komponenten werden dann zusammengemischt.

Im Ergebnis soll das entstandene Methangas dann in Hochdruckflaschen gepresst als Kraftstoff für bisher erdgasbetriebene Fahrzeuge genutzt werden können. Doch derzeit wird noch an den optimalen Abläufen geforscht. Das Projekt mit dem Namen „EtaMax“ läuft über fünf Jahre und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit sechs Millionen Euro gefördert. Beteiligt an dem Projekt sind Partner aus der Forschung, der Energiewirtschaft und der Industrie. Koordiniert wird es vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik. Die Praxiserprobung erfolgt nun in einer Pilotanlage in Stuttgart.

Wenn das Verfahren ausgereift ist, also alles automatisiert abläuft, könnte es solche Anlagen in Zukunft überall, wo viele Lebensmittelreste anfallen, geben. Aus den Bioabfällen der Stadt Stuttgart könnten in einer entsprechend großen Anlage jährlich rund 300.000 Kubikmeter Methangas erzeugt werden. Die Vorteile des Verfahrens sind vielfältig: In erster Linie sind die Lebensmittelabfälle ein sehr kostengünstiger Input. Zudem handelt es sich um Biokraftstoff der zweiten Generation, das heißt, die Erzeugung steht keinesfalls in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Über diese Problematik hat das CleanEnergy Project bereits mehrfach berichtet. Zudem werden mit dem Stuttgarter Projekt die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt, denn sowohl Erzeugung als auch Nutzung des Biogases erfolgen direkt vor Ort.

Birte Moritz

1 Kommentar

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.