Jatropha: Wundernuss oder doch nur Abführmittel?

Der Anbau von Weizen, Mais oder Ölpalmen für die Biotreibstoff-produktion ist aufgrund seiner potentiell negativen ökologischen und sozialen Nebenwirkungen nach wie vor umstritten. Viele Wissenschaftler und Politiker sind weiter auf der Suche nach Rohstoffquellen, aus denen Biosprit in Zukunft nachhaltig und im großen Maßstab produziert werden kann.

Auch wenn die EU mit ihrer Richtlinie für erneuerbare Energie (2009/28/EG) Nachhaltigkeitskriterien für die Herstellung von Biokraftstoffen definiert hat, geht die Suche nach geeigneteren Pflanzen weiter.

In den tropischen und subtropischen Klimazonen der Erde erlebt seit ein paar Jahren die Produktion von Biodiesel aus Jatrophaöl einen regelrechten Boom. Von Befürwortern wird die Jatropha-Pflanze, zu Deutsch Purgiernuss, gerne auch als „Wundernuss“ bezeichnet.

Weltweite Beachtung erfuhr die ursprünglich aus Südamerika stammende Ölpflanze Ende 2008, als sich eine Boing 747 von Air New Zealand für zwei Stunden mit Hilfe eines 50:50-Gemischs aus Kerosin und Jatrophaöl in die Lüfte über Auckland erhob. Indien steckt aktuell große Summen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, um die Biodieselproduktion im eigenen Lande auf nachhaltige Beine zu stellen. Ebenso rechnen viele Konzerne mit dem Durchbruch von Jatropha auf dem Markt der Biotreibstoffe. Neben großen Automobilherstellern wie DaimlerChrysler engagiert sich auch der Energiekonzern EnBW auf diesem Gebiet.

Dabei ist eigentlich noch wenig über das Potential der Pflanze bekannt. Erfahrungen mit dem kommerziellen Anbau als Feldfrucht fehlen bisher zum großen Teil. Angesehene Forschungseinrichtungen im Agrarsektor, wie die Universitäten Stuttgart-Hohenheim oder Wageningen versuchen derzeit mehr Wissen über diese Pflanze zu akkumulieren, um die Risiken ihrer Markteinführung minimieren zu können.

Die große Aufmerksamkeit verdankt Jatropha curcas, neben anderen positiven Eigenschaften, vor allem folgenden grundlegenden Attributen: Der Strauch wächst auf äußerst kargen Böden, verträgt Trockenheit sehr gut und ist für Mensch und Tier giftig. Sie steht somit nicht in Flächen- oder Nutzungskonkurrenz zur Lebensmittelproduktion, so die Befürworter. Jatropha kann also die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung in vielen Landstrichen Asiens, Afrikas und Südamerikas zum Summen bringen, und das auf möglichst ökologische Art und Weise.

Doch einige NGO’s warnen bei aller Euphorie auch vor potentiellen negativen Auswirkungen. Angekreidet wird zum Beispiel die geringe Energieausbeute pro Hektar. Steigt die Nachfrage nach Jatrophaöl weiter, wird der Flächenbedarf zu groß werden. Aufgrund der attraktiven Abnahmepreise ist auch davon auszugehen, dass viele Kleinbauern vom Nahrungsmittel- auf den Jatropha-Anbau umsteigen werden, womit das Argument der nicht vorhandenen Flächenkonkurrenz ausgehebelt würde.

In einem Artikel der Schweizer Wochenzeitung (WOZ) fasst es die Wissenschaftlerin Franziska Müller-Langer vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) folgendermaßen zusammen: „Man muss Jatropha als eine Pflanze für lokale Anwendungen im Kleinen sehen, für Lampenöle, Seifen und Ähnliches. Da ist sie sehr sinnvoll. Aber im großtechnischen Maßstab kann es schnell in eine ungewollte Richtung gehen.“

Ulrike Rosenfellner

Add comment